Die Schlosschällen oder der Schloßkeller im Schwarzwassergraben bei Hinterfultigen (Kanton Bern)

Ein menschengestalteter Rätselplatz im Schwarzwassergraben

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Achtung!

Die Begehung des Schlosskellers und besonders des Zwingherrenbogens ist für Ungeübte und Ortsunkundige riskant.

Kurz nach Ostern 2017 ist eine Frau in dieser abschüssigen Gegend zu Tode gestürzt!


Blick vom oberen Teil des Schlosskellers auf den Schwarzwassergraben gegen Norden

Foto: Autor, 7.07.2007


Der sogenannte Zwingherrenbogen beim Schloßkeller im Schwarzwassergraben

Aufnahme aus einer Broschüre von Fritz Guggisberg


Der Zwingherrenbogen in einer Aufnahme des Autors vom 31.8.2006

Der Zwingherrenbogen in einer Aufnahme des Autors vom 28.10.2006


Der Zwingherrenbogen von der Sohle aus gesehen

Foto: Autor, 7.7.2007


Das Innere des Zwingherrenbogens. Sicht gegen Norden

Aufnahme aus dem Internet


Der Schloßkeller oder die Schlosschällen im Schwarzwassergraben

Der Schlosskeller (Schlosschällen) liegt westlich von Hinterfultigen, auf der östlichen Seite des Schwarzwassers, zwischen der Steiglenau und der Einmündung des Bütschelbachs und hat die ungefähren Koordinaten 595'500/187'700 (Felstorbogen).

Der Name Schlosschällen ist die dialektale Form von Schloßkeller. - Aber es gibt auch den Namen Roßkeller. - Das beweist, wie leicht Flurnamen variieren können.

Man verläßt den Fahrweg zwischen Hinterfultigen und Steiglen gleich nach dem Ausgang aus dem Wald und steigt rechts über einen sichtbaren Pfad in die Schlosschällen hinab. Der Weg macht eine Biegung nach rechts und führt dann ein Stück weit unter einem überhängenden Sandsteinfelsen hindurch. Hernach geht es serpentinenartig die Runse zwischen zwei Felswänden hinab.

Die Schlosschällen bestehen aus zwei markanten, schwer zugänglichen Felsköpfen auf einer Felsrippe. Beide Köpfe tragen Spuren von menschlicher Tätigkeit.

Interessant ist besonders der untere Felskopf. Dieser hat in der Mitte eine rechteckig ausgehauene Vertiefung und eine zweite am Nordende. An beiden künstlich hergerichteten Gevierten gibt es in den Felsen rechteckige Vertiefungen, die man als Balkenlager deuten kann.

Die Details sind schwer zu beschreiben und noch schwieriger zu deuten. Es waren auf jeden Fall künstlich hergerichtete Plätze, offenbar durch Holzkonstruktionen ergänzt.

Die Felsköpfe der Schlosschällen, auf halber Höhe der dort über hundert Meter tiefen Schwarzwasser-Schlucht und gegen Norden ausgerichtet, machen als Wehranlagen wenig Sinn. Aber die Bearbeitungen sind auf alle Fälle alt. Vielleicht reichen sie in vorgeschichtliche Zeiten zurück. - Aber nach meiner Zeitschätzung wäre das vor vielleicht dreihundert oder mehr Jahren.

Man könnte spekulieren, daß ein Zusammenhang der Gevierte in den Schlosschällen mit dem ehemaligen Kloster Rüeggisberg besteht.

Mir ist beim Besuch der Schlosschällen eine Verwandtschaft mit dem rätselhaften Tannstygli südlich von Thorberg (Gemeinde Krauchthal) aufgefallen. Auch der Thorberg war bekanntlich ursprünglich ein Kloster. Das Tannstygli war also eine Art "Dépendence" des Kultortes.

Auf jeden Fall ist es Unfug, die künstlichen Spuren im Schloßkeller (Roßkeller) bei Hinterfultigen als "keltisches Refugium" anzusprechen und ihnen ein Alter von 4000 (!) Jahren zuweisen zu wollen.

Der sogenannte Zwingherrenbogen in den Schlosschällen

Fast interessanter als die künstlichen Behauungen der beiden Felsköpfe in den Schlosschällen ist etwa 30 m östlich davon am nördlichen Ende der nächsten Felsrippe ein Felstorbogen, im Volksmund Zwingherrenbogen genannt (vergleiche die Abbildungen).

Die Koordinaten des Bogens betragen ungefähr 595'750/187'800.

Die Sohle des auffallend schön geformten Felsportals kann mit einiger Vorsicht von unten her bestiegen werden. Leider versperren von beiden Seiten hohe Bäume die Sicht aus gleicher Höhe.

Der Felsdurchlaß soll natürlich entstanden sein, behaupten die Heimatkundeforscher.

Aber eine genaue Betrachtung erweist eine künstliche Bearbeitung.

Wenn man den Elefanten von Geristein, ferner das kleine Felsportal oberhalb von Flugbrunnen und die bekannte Pierre Pertuis bei Tavannes im Berner Jura kennt - die alle künstlich ausgehauen sind und Tierfiguren darstellen - so ist etwas Ähnliches auch vom Zwingherrenbogen anzunehmen.

Von der Sohle aus betrachtet, stellt der Zwingherrenbogen eindeutig einen nach Norden gerichteten Elefantenrüssel dar. - Sogar der Mund des Elefanten ist im Scheitel des Bogens eingehauen (vgl. das Foto).

Der "Mund" des Elefanten im Zwingherrenbogen


Der Arbeitsaufwand zum Aushauen der Öffnung war übrigens gar nicht so gross: Die Felswand ist am betreffenden Ort im unteren Teil sehr dünn - stellenweise weniger als einen Meter breit.

Auf jeden Fall ist die Erklärung zu verwerfen, das Schwarzwasser hätte, als es sich erst zur Hälfte eingetieft habe, dieses Felsportal ausgewaschen. Der Bogen ist künstlich oder künstlich nachbearbeitet.

Und damit wäre ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dem Zwingherrenbogen und den Felsbearbeitungen westlich davon hergestellt.

Ein Felsportal hatte in alten Zeiten eine Bedeutung für die Himmelsbeobachtung.

Beim Zwingherrenbogen läßt sich eine Beziehung zur Höhenburg Tschuggen bei Oberbalm herstellen:

In genau zwei keltischen Meilen (4450 m) trifft eine Linie des ersten Sonnenaufgangs von 58° NE vom Zwingherrenbogen auf die Erdburg.


September 2006 ff.