Zwei außergewöhnliche Erdwerke auf dem Längenberg


Tschuggen bei Oberbalm BE

Büfelhölzli (Kästlifuren) bei Fultigen

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Der Berg Tschuggen. Ansicht von NW.

Foto: Autor, 23.7.2009


Die heiligen Berge rund um Bern

Seit Jahren erkenne ich bei meinen historischen, namenkundlichen und heimatkundlichen Forschungen die besondere Bedeutung der Berge - auch rund um Bern. Die Hügel und Erhebungen tragen Namen, die in die Vorgeschichte weisen. Und auf ihnen finden sich häufig Spuren von Wehranlagen.

In meinem Web-Artikel Die heiligen Berge des Bernbiets und in anderen Aufsätzen habe ich mich bereits ausführlich mit den Hügeln des Bernbiets befasst.

In Der Vesuv ist überall erstelle ich eine Art elektronisches Ortsnamen-Wörterbuch, das Bezeichnungen aus der ganzen Schweiz umfaßt.

In Kürze werden diese Erkenntnisse auch in Buchform unter demselben Titel Der Vesuv ist überall erscheinen. 

Die archäoastronomischen Bezüge, die sich mit den Bergkuppen erstellen lassen, ergänzen deren Bedeutung. Diese Hinweise finden sich in zahllosen Web-Artikeln und in meinem Buch Die Ursprünge Berns.

Steinburgen, Erdburgen und Erdwerke

Burgen finden sich überall. Sie wecken unser Interesse als interessante und häufig auch rätselhafte Zeugen aus einer schrift- und datierungslosen Vorzeit. - Aber diese Epoche war kurz vor der Geschichtszeit, vielleicht dort wo wir heute das 17. und 16. Jahrhundert sehen.

Ich wiederhole meine Auffassung, daß die alten Burgen zuerst als Erdburgen gebaut wurden - weil der Mörtel erst nachher bekannt wurde.

In diese Erdburgen und Erdwerke wurden dann häufig steinerne Wehranlagen hineingebaut. - Diese gelten in der volkstümlichen Auflassung als eigentliche Burgen, mit Türmen, Ringmauern, Wohngebäuden, usw.

Die steinerne Burgenarchitektur ist interessant, aber sie stellt nur ein besonderes und späteres Kapitel des Burgenbaus dar.

Es sind die Erdburgen, welche am meisten Rätsel stellen: Waren diese Erdwerke bloße Verteidigungsanlagen, oder hatten sie auch andere Zwecke?

Man erinnert sich an die sogenannten Höhenheiligtümer, von welchen die Bücher des Alten Testaments sprechen. - Da die biblischen Bücher hier bei uns in Westeuropa und erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts geschrieben wurden, so müssen wir hellhörig werden:

Sind die Burgen, die wir auf Anhöhen antreffen, nicht die Höhenheiligtümer, gegen welche die alten Propheten wetterten?

Die Untersuchung von einzelnen Erdwerken bringt uns weiter. - Dabei vergleiche man meine anderen Burgen-Artikel, etwa Burgen, Erdburgen im Bernbiet und in der übrigen Schweiz.

Vor kurzem habe ich über eine wichtige Burg mit Mauerresten in diesem Gebiet einen Artikel aufgeschaltet: Die Riedburg am Schwarzwasser.

Das Erdwerk Tschuggen

Die Erdburg Tschuggen (Koordinaten 599'250/190'100) liegt auf einer markanten Höhe südöstlich von Oberbalm und von Köniz. Der Hügel hat eine auffällige dreieckige Form. Wenn die Bewaldung nicht wäre, so hätte man von diesem 987 m hohen Berg eine prachtvolle Sicht nach allen Seiten.

So wie der Hügel, so hat auch die Burgstelle, welche das Gipfelplateau einen auffälligen dreieckigen Grundriß. Die beiden Langseiten messen dabei etwa 45 m, die nordöstliche Schmalseite etwa 33 m (siehe den untenstehenden Plan).

Plan des Erdwerks Tschuggen bei Oberbalm BE

Grafik: Autor, 7.2009

Die dreieckige Form des Hügels wird vom Burghügel fortgeführt. An der SW-Ecke und der E-Ecke hat das Burgplateau auffällige Aufwölbungen. Ein Wall gegen NE ist noch schwach erkennbar. An der Nordspitze ist als kleine Vertiefung der zugeschüttete Sod zu sehen. Der ursprüngliche Zugang ist von E her zu sehen.

Überdeutlich erkennt man in dem Plan einen Vogelkopf mit dem Sod als Auge. Am plausibelsten ist eine Gans.

Man kennt die alte Sage von den Gänsen als Wächter auf dem kapitolinischen Hügel in Rom. - Jede Burg war eine Art festes Rom oder feste kapitolinische Burg. Also war es logisch, die Gans als (religiöses) Symbol der Wachsamkeit in der Struktur abzubilden.


Der künstlich überhöhte Burghügel hat zwei Zugänge, ein steiler an der Südwest-Spitze und ein bequemer von der Nordost-Spitze. Bei letzterem ist der ursprüngliche Zugang zu sehen. Dort war früher ein heute zugeschütteter Halsgraben.

Der Plan der Burgstelle (vergleiche die Abbildung) zeigt die allgemeinen Merkmale deutlich: ein dreieckiges Plateau, das nach allen drei Seiten künstlich überhöht ist.

Die Seiten des Dreiecks wurden zweifellos nach bestimmten Achsen ausgerichtet. - Messungen und Rechnungen können wenigstens teilweise einige Winkel und Beobachtungen nachweisen.

Die Kirche von Oberbalm war vor der Glaubensspaltung angeblich dem heiligen Sulpitius geweiht und ein bekannter Wallfahrtsort. - Es liegt nahe, zuerst dort einen Zusammenhang mit der Erdburg zu suchen. - Und dieser besteht, wie eine Rechnung erweist:

Die Distanz zwischen der Kirche Oberbalm und dem Erdwerk Tschuggen beträgt genau eine keltische Meile (Leuga), also 2225 m bei einem Himmelswinkel von 123° SE!

Sicher gab es auch eine Orientierung nach dem Schloß Worb - zu welchem Sichtverbindung besteht.

Weitere andere Winkel sollen bei einer weiteren Ortsbegehung festgestellt werden.

Die Höhenlage, die aussichtsreiche Lage und der dreieckige Grundriß der Burg lassen schließen, daß Tschuggen nicht nur der Verteidigung diente. Der Ort war gleichzeitig eine astronomische Beobachtungsstätte - vielleicht auch ein Höhenheiligtum, damit ein vorgeschichtlicher Wallfahrtsort.

Der Ortsname

Bis jetzt hielt ich die Ortsnamen Tschugg und Tschuggen für eine Verballhornung von SANCTUM, wie auch in dem Werk Der Vesuv ist überall.

Nun aber sehe ich ein hebräisches Wort dahinter: sukkah, MZ sukkot = Hütte (vergleiche das jüdische Laubhüttenfest = sukkot).

Hebräische Ortsnamen sind bekanntlich häufig im deutschsprachigen Bereich. Auch die hebräischen Feste wie Chanukka (z.B. Hunze, Hunziken) und eben Sukkot finden sich in den Namen.


PS: Herr Jens Wolfensteller hat 2008 einen exakten Plan von Tschuggen erstellt. Wie der Autor ist auch er sich sicher, daß das Erdwerk gegen Osten durch einen Halsgraben gesichert war. - Ferner vermutet Wolfensteller in der nördlichen Ecke des Plateaus am Ort der heutigen Feuerstelle einen Sodbrunnen.

Die Vogel-Figur in Tschuggen

Mit den neuen Erkenntnissen, nämlich dem ehemaligen Sod, sowie dem Halsgraben im Osten, tritt in der Erdburg Tschuggen bei Oberbalm überdeutlich eine Figur hervor, nämlich ein Vogelkopf.

Ziemlich sicher steckt der Kopf einer Gans in diesem Grundriß.

Weshalb gerade eine Gans? Nun, man erinnert sich an die Sage von den wachsamen kapitolinischen Gänsen. Diese sind also zum Symbol der Wachsamkeit geworden.



Das Erdwerk Büfelhölzli oder Kästlifuren bei Fultigen

Die Burgstelle Büfelhölzli (Koordinaten 599'400/187'300) liegt am Nordabhang des Bergrückens von Fultigen, in einem Wäldchen unmittelbar nördlich des Hofes Kästlifuren und 500 m östlich des Weilers Vorderfultigen (vergleiche den Plan). 

Plan der Erdburg Büfelhölzli bei Vorderfultigen BE

Die Planzeichnung ist abstrahiert und soll eine Vorstellung des ursprünglichen Zustandes geben.

Plan: Ch. Pfister, 6/2005


Die Burg war auf einem länglichen, nach Norden gerichteten Sporn angelegt, welcher vom Berghang durch einen großen Einschnitt abgetrennt ist. - In diesem finden sich drei rundliche Hügel, die wahrscheinlich alt sind und als Zugangshindernisse dienten.

Die eigentliche Burg bestand aus einem länglichen, ursprünglich wohl ovalen und einigermaßen ebenen Burghügel.

Diese künstlich überhöhte und eskarpierte Motte war gegen die Bergseite durch ein System aus doppeltem Wall und Graben getrennt. - Beide Wälle waren gegen die Mitte zu einem Schildwall überhöht. - Beim ersten, südlichen Wall sind diese Eigenheiten noch deutlich kenntlich.

Die Flanke der Burganlage gegen Osten war zusätzlich durch einen vorgelagerten Graben und Wall getrennt. - Möglicherweise gab es ein solches Vorwallsystem ursprünglich auch gegen Westen.

Nordöstlich der Burganlage, gleich jenseits der Drittklaß-Strasse, steht noch heute ein Hügel in der Matte - ähnlich den dreien, die im großen Einschnitt zwischen Burg und Hang zu finden sind. - Auch diese Motte gehörte wohl zu den vorgelagerten Verteidigungseinrichtungen.

Welches war das ursprüngliche Aussehen der Erdburg Büfelhölzli?

In der Burgenkarte der Schweiz, Teil 1, Beschreibung der Objekte (Wabern 1990), wird die Burg folgendermaßen beschrieben:

Erdwerk unbekannter Zeitstellung 200 m nördlich des Hofes Kästlifu(h)ren. Anlage im Wäldchen durch Kiesausbeutung zerstört.

Die Beschreibung ist mehr als summarisch und offenbar nach dem Hörensagen, nicht nach dem Augenschein verfaßt. - Doch etwas ist daran: Die Erdburg ist nicht zerstört, wohl aber an mehreren Stellen angeschnitten und durchwühlt.

Zuerst verläuft heute zwischen der Burg und dem östlichen Flankenwall ein Fahrweg zu einem Gerätedepot im Wäldchen. - Dadurch ist aber höchstens der ehemalige Graben zugeschüttet worden.

Dann aber ist der Burghügel an mehreren Stellen angeschnitten und mit teilweise tiefen Runsen versehen. Dadurch wird heute der Eindruck erweckt, als bestehe dieser zentrale Teil wiederum aus mehreren Teilen und sei insgesamt von ganz unterschiedlicher Höhe.

Dabei ist davon auszugehen, daß das Burgplateau früher mehr oder weniger eben oder nur leicht geneigt verlief.

Kiesausbeutung sehe ich keine in der Burganlage. Durch diese wäre der ganze Platz zerstört worden.

Die mutwilligen Zerstörungen an der Erdburg sind vielleicht das Ergebnis ausgedehnter Raubgräberei. Ein anderes Motiv ist schwer vorstellbar.

Trotz den Zerstörungen stellt Büfelhölzli oder Kästlifuren noch heute eine imposante Erdburg dar. - Man staunt über die gewaltigen Erdbewegungen, die nötig waren, um dieses ausgeklügelte Verteidigungswerk zu errichten.

Die Lage der Erdburg in dieser früher doch sehr abgelegenen Gegend von Fultigen verdient ebenfalls hervorgehoben zu werden. - Aber hier kennen wir die Überlegungen der Alten nicht.

Nur als Anhang und der Kuriosität halber soll hier eine alte Skizze der Burgstelle bei Vorderfultigen wiedergegeben werden. - Wie man unschwer erkennen kann, ist der Plan nicht nur dilettantisch gezeichnet, sondern in wesentlichen Teilen ungenau - offenbar aus dem Stegreif gezeichnet.

Der Plan ist aus dem Werk von Emanuel Lüthi: Die Alamannen in der Westschweiz. Beiträge zur Berner Burgenforschung; Bern 1966 genommen.

Das Buch ist reichlich konfus. Es stellt einen Neudruck dar. Lüthi publizierte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. - Außer den Plänen trug jener Autor aber herzlich wenig zur Burgenforschung bei.

Skizze der Burgstelle Büfelhölzli nach E. Lüthi, 1966


Die Ortsnamen

Bei dieser Gelegenheit soll auch auf die äußerst interessanten Ortsnamen Fultigen, Büfelhölzli und Kästlifuren hingewiesen werden. - Sie finden sich in dem erwähnten Werk Der Vesuv ist überall erklärt.


12.6.2005, ff.