Ein kurioses Denkmal für einen Oberförster im Sädelbachwald auf dem Grauholzberg (Gemeinde Bolligen BE)


Das Denkmal für den Oberförster von Wattenwyl im Sädelbachwald auf dem Grauholzberg

Koordinaten: 605'520/204'910

Foto: Autor, 25.7.2014

In dem Buch Historische Denkmäler in der Schweiz (2015) geht der Autor ebenfalls auf dieses kuriose Denkmal ein.


Der Findling mit der Widmung für den Oberförster von Graf(f)enried im Sädelbachwald

Foto: Autor, 25.7.2014


Lage, Beschreibung und Wertung

Der größtenteils bewaldete Grauholz-Berg nördlich von Bolligen (Kt. Bern) ist wie die angrenzenden Gebiete des Mattstettenbergs und des Bantigers reich an Findlingen.

Der Heimatkundeforscher Karl Ludwig Schmalz hat in seinem 1982 erschienenen Ortsführer Bolligen auf einer Karte rund 800 kleine und große Erratiker eingetragen.

Einige dieser Blöcke sind deshalb bedeutungsvoll, weil sie in der alten (keltischen) Landvermessung als Marksteine gedient haben.

Auf dem Flühboden, hart an der Gemeindegrenze, gibt es einen schönen, mit etwa einem Dutzend Eintiefungen versehenen Schalenstein (vgl. den illustrierten Artikel).

Östlich, auf dem Mattstettenberg und zu dieser Gemeinde gehörig, sind drei weitere Schalensteine zu sehen (vgl. den illustrierten Artikel).

Der Sädelbachwald befindet sich im östlichen Teil des Grauholzbergs. Zentral ist das Sädelbachhüttli, eine bekannte Picknick-Stelle. Westlich davon, gegen die Höhe des Schwarzkopfs ansteigend, finden sich etliche Findlinge, die mit Widmungen für verdiente burgerliche Forstmeister versehen sind. Etwa auf zehn Blöcke in diesem Berner Burgerwald sollen Inschriften eingemeisselt sein.

Zwei dieser Blöcke auf etwas über 700 Meter Höhe sollen hier besprochen werden. Die Findlinge sind in der heutigen Landeskarte eingetragen.

Da gibt es einen ersten grösseren Block. Dieser trägt eine Widmung an den

FORSTMEISTER GRAFENRIED (!)

1793 - 1866

Dass der Name des Berner Patriziergeschlechts von Graffenried falsch geschrieben ist, hängt vielleicht mit Platzgründen zusammen.

Siebzig Meter weiter westlich und einige Meter höher findet sich ein zweiter Block, auf dem eine Widmung eingemeisselt ist:

Fritz von Wattenwyl

Oberförster 1887 – 1892

Regierungsrat 1892 – 1897

Geb. 3. Oktober 1852

Gest. 16. August 1912

Dieser Findling ist jedoch als einziger zu einem richtigen Denkmal erweitert: Der Stein ist von einem Kreis von sechs runden Randsteinen umgeben, die eine Kette tragen und so den Charakter einer Erinnerungsstätte ergeben.

Der Wanderer ist erstaunt, mitten in einem grossen Wald auf einer Anhöhe ein solches Denkmal zu finden. An der Bedeutung der Person kann es kaum liegen. Sicher war er nicht nur Oberförster, sondern danach auch Berner Regierungsrat.

Gemäss dem Todesdatum dieses von Wattenwyl muss das Monument kurz vor 1914 geschaffen worden sein.

Der zu einem Denkmal erweiterte Findling steht für die Tendenz vor hundert Jahren, nach immer pompöseren Denkmälern - sogar an abgelegenen Stellen wie hier in einem Wald auf dem Grauholzberg nordöstlich von Bern.