Die Glaneburg (Châtillon-sur-Glâne), südwestlich von Freiburg (Fribourg)

in der Gemeinde Hauterive FR: eine gewaltige Abschnittsbefestigung, nebenbei mit einer merkwürdigen Tierfigur

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Vergleiche auch: Burgenforschung und wie man sie betreiben sollte


Résumé en français

Châtillon-sur-Glâne (la Glaneburg) est un emplacement préhistorique à environ 2.5 km au sud-ouest de Fribourg, au confluent de la Glâne et de la Sarine, appartenant à la commune de Hauterive FR.

On voit un important rempart d'environ 180 m de long avec un large fossé devant et des traces de murs sur le talus.

La hauteur du rempart est de 8 mètres à l’est et de 12 mètres  à l’ouest côté fossé.

Ce retranchement vers l'ouest protège à l''est un plateau de forme irrégulière ou en forme de cloche.

Sur l'éperon rocheux vers le nord-est (pt. 603) il y a un petit retranchement.


Übersichtsplan von Châtillon-sur-Glâne (Gemeinde Hauterive FR)

Skizze: Autor, 2020, auf Grund von verschiedenen Plangrundlagen.


Der Abschnittswall im Westen ist auf der Innenseite sechs und gegen den Graben zwölf Meter hoch.

Die äussere Grabenwand hat eine Höhe von gut vier Metern.

Das Wallende gegen Norden ist in seiner Form und seinen Massen nicht mehr zu bestimmen, da durch eine Fahrstrasse zerstört.

Der stumpfe Wallwinkel war ursprünglich, ist aber heute verschliffen.

Das Plateau, das sich östlich an den Wall anlehnt hat die Form einer Glocke.

Die Stromlinien-Form der Geländeschulter gegen die östliche Niederung ist auffällig.


Lage

Der vorgeschichtliche befestigte Platz von von Châtillon-sur-Glâne liegt 2.5 km südwestlich von Freiburg (Fribourg), auf einem breiten, felsigen Sporn, welcher durch den Zusammenfluß der Glane (Glâne) mit der Saane (Sarine) gebildet wird. Politisch gehört das Gebiet zur Gemeinde Hauterive.

Der Sporn von Châtillon fällt gegen Osten in mehreren Geländestufen zur Flußniederung Invua ab, welche heute von einem großen Kieswerk eingenommen wird. Die übrigen Teile sind bewaldet.

Eine Zugangsstrasse von der Kantonsstrasse zum erwähnten Kieswerk hat gewisse Geländemerkmale verändert und das Nordende des Abschnittswalls zerstört.

Archäologische Sondierungen in den 1970er Jahren haben gewisse Erkenntnisse über den Wall gebracht und eine genaue Planaufnahme veranlasst.

Abschnittswall und Graben

Die Glaneburg besteht zur Hauptsache aus einem gewaltigen, ca. 180 m langen Abschnittswall und Abschnittsgraben gegen Westen. Der Wall ist von der Grabensohle her ca. 12 m hoch, vom westlichen Burgplateau immer noch ca. 8 m.

Der Graben ist gegenüber dem westlichen Plateau um ca. 5 m eingetieft.

Die Wallkrone trug ehemals eine Mauer. Im südlichen Teil sind bei Sondierungen zwei kurze Abschnitte freigelegt worden. - Die Mauer war an der Basis ca. 1.8 m dick. Man kann eine sogenannte Gallische Mauer - also mit vernagelten Holzarmierungen und Holzverkleidungen - annehmen.

Der gute Erhaltungszustand des Walls ist bemerkenswert. Nur im Norden ist der Wall und Graben durch die Fahrstrasse zerstört.

Der Wall verläuft heute bogenförmig. Doch war er früher zweifellos gewinkelt.

Der Wallschenkel gegen Südosten hat noch heute eine Ausrichtung von genau 330° NW und läuft auf den grossen Grabhügel von Moncor in Villars-sur-Glâne zu.

Die exakten Ausrichtungen sprechen klar für die vorgeschichtliche Zeit.

Ein vorgeschichtlicher befestigter Platz, danach ein spätrömisches Kastell

Nach dem Abschnittswall folgt im Osten ein geschütztes Plateau. Die Glockenform der Umrisse ist bemerkenswert. Man kann eine spätrömische Belegung annehmen, also eine Art Kastell.

Der Platz ist gegen Osten durch eine ehemalige Kiesgrube zerstört.

Doch im Südosten hat sich die ursprüngliche Böschung mit einer Sprunghöhe von 10 m erhalten.

Mit dem Abschnittswall und dem ersten Plateau hat die Glaneburg eine deutliche Ähnlichkeit mit dem Kastell Räsch bei Düdingen.

 Der Hügelrücken und Sporn im Osten: eine stilisierte Tierfigur

Nach einigen Dutzend Metern fällt der Platz der Glaneburg steil gegen die Niederung im Osten ab. Die moderne Fahrstrasse führt zu dem heutigen Kieswerk von Invua,

Die Ostseite selbst zeigt mit ihrer geschwungenen Nord-Süd-Ausrichtung und je einem Sporn gegen Norden und gegen Süden einige Merkwürdigkeiten und eine Figur.

Kurz vor dem Nordende des Sporns, bei Punkt 603, fällt eine kleine Wallbefestigung auf: ein Graben, dahinter ein Wall.

Doch der Graben ist nicht über den ganzen Sporn gezogen. Eine Wehrabsicht kann kaum bestanden haben.

Östlich des Miniatur-Erdwerks finden sich ein paar erdige Abtreppungen, die vielleicht einen ehemaligen Sod andeuten.

Man denkt bei der Betrachtung des Plans an ein Paar Augen. Davor liegt das felsige, teilweise sogar überhängende Ende des Sporns, an der Vereinigung zwischen Glane und Saane.

Der gegen Norden gerichtete Sporn  zeigt eine Figur. Man erkennt von Norden oder Nordosten her deutlich eine Tierschnauze mit einem stromlinienförmigen Körper; ein Fisch, ein Delphin, ein Wal oder ein Fischotter?

Die exponierte Lage des Sporns, am Zusammenfluß zweier Fliessgewässer, legt einen tierischen Wasserbewohner nahe.

Archäologische Erkenntnisse und Behauptungen

Bei archäologischen Sondierungen in  den 1980er Jahren wurde  erkannt, daß die Glaneburg einen Hafen besaß: Am Südfuß der Burgterrasse, am linken Ufer der Saane, ist noch heute ein wassergefülltes Bassin zu erkennen, das durch eine Steinschüttung gegen den Fluß geschützt war.

Diese Einzelheit beweist, daß die Saane auch oberhalb von Freiburg für den Wassertransport genutzt wurde.

Weiter südlich, auf dem rechten Ufer der Saane, gab es einen zweiten Hafen. Daran erinnert der Flurname Au Port.

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Nachdrücklich muss man den unsinnigen archäologischen Interpretationen der Glaneburg entgegentreten. Es wird behauptet, die Anlage sei ein "Hallstattzeitlicher Fürstensitz" gewesen. - Doch über die Vorgeschichte wissen wir gar nichts.

Noch mehr: Die Archäologen behaupteten, die Glaneburg habe durch ihre strategische Lage den "prähistorischen Zinnhandel zwischen England und Italien kontrolliert". - Wie kann man nur solchen Unsinn behaupten?


Das nördliche Ende des Hauptwalls der Glaneburg von Châtillon-sur-Glâne (Gemeinde Hauterive)

Foto: Autor, 27.3.2020

Die Ansicht von der Strasse zur Kiesgrube aus zeigt die gewaltigen Masse des Walls: Dieser ist auch gegenüber dem Niveau der Strasse noch acht Meter hoch. Der Graben rechts unterschreitet das Niveau der Strasse um vier Meter.


Châtillon-sur-Glâne FR: Blick auf den Graben von Norden

Foto: Autor, 27.3.2020

Die Breite des ehemaligen Spitz-Grabens vor dem Hauptwall (links) ist bemerkenswert.