Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert

Kritik an einer überholten Geschichtsauffassung

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Wichtige neue Erkenntnisse über Ägidius Tschudi und seine Chronik - dem hauptsächlichen Forschungsthema von Bernhard Stettler - bringt der Verfasser (CP) auch in den beiden historiographischen Untersuchungen:

Beiträge zur Freiburger Historiographie des 18. und 19. Jahrhunderts. Guillimann - Alt - Berchtold - Daguet (2009)

und

Die Entstehung der Jahrzahl 1291. Beiträge zur Schweizer Historiographie: Stumpf - Schweizer - Daguet et al. (2012)

Illustration aus der Zürcher und Eidgenössischen Chronik von Gerold Edlibach

aus: Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert; Zürich 2004, S. 327

Angeblich habe der Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann "1488" mit dem Landgraf von Sulz einen Erbvertrag über den Klettgau abgeschlossen - vorbehaltlich der Rechte der Grafschaft Sulz.

Deshalb erscheinen auf dieser Illustration die beiden einander zugeneigten Wappen von Sulz und Balm.


Die Chronik stammt mitnichten aus einem sagenhaften "16. Jahrhundert" - und der geschichtliche Hintergrund ("Hans Waldmann") ist eine Erfindung.

Das Manuskript verrät eine typische gotische Kurrentschrift, die ins 18. Jahrhundert gehört.

Die Heraldik entspricht dem Barock, nicht einem legendären "Spätmittelalter".

Für den Autor Stettler ist dies jedoch ein Beleg dafür, daß es bereits "im 15. Jahrhundert" Eidgenossen und eine Stadt Zürich gegeben hat - eine absurde Annahme!

Im Oktober 2005 ist von dem Werk von Bernhard Stettler auch eine Besprechung in der hochoffiziellen Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte, vol. 55 (2005), Nr. 3, S. 341 f. erschienen:

Die Rezension ist eine reine Lobhudelei auf das doch sehr problematische Buch: "in hohem Masse lesenswert" heißt es, und der Autor biete eine "Quintessenz von einem Materialreichtum, der seinesgleichen sucht".

Erhoffte sich der Rezensent aus der Gefälligkeits-Besprechung etwas: Vielleicht eine neue Stelle oder eine Beförderung? Wer weiß?

Die Mär von den alten Eidgenossen

2002 begann ich auf Grund meiner geschichts- und chronologiekritischen Erkenntnisse mit einer kritischen Betrachtung der Geschichte der alten Eidgenossen.

Das Ergebnis veröffentlichte ich unter dem Titel Die alten Eidgenossen. Die Entstehung der Schwyzer Eidgenossenschaft im Lichte der Geschichtskritik und die Rolle Berns (2013)

In dem Buch wies ich nach, daß die ganze Geschichte der alten Eidgenossenschaft, von der Bundesgründung über die Schlachten von Laupen, Sempach, Murten bis weit nach der Reformation eine Erfindung der Renaissance und des Barocks ist.

Die frühesten Aufzeichnungen von Chroniken setzte ich in die Zeit nach 1750. - Und die Geschichte der alten Eidgenossen wurde vollumfänglich zuerst in Bern erfunden und geschrieben. - Als älteste Chronik halte ich den Berner "Konrad Justinger" - eine Schöpfung des Historiographen Michael Stettler (angebliche Lebensdaten 1580 - 1642).

Die Analyse der erfundenen alten Geschichte der Eidgenossen vor dem 18. Jahrhundert nimmt den zweiten Teil meines Buches ein. - Im ersten Teil widmete ich mich ausführlich der Quellenfrage: Aus welcher Zeit stammen die Chroniken, Bilderchroniken, Urkunden, Inschriften, Münzen und Kunstgegenstände, aber auch die Burgen und Kirchen, welche den "alten Eidgenossen" und ihren Vorläufern  zugeschrieben werden?

Tschudi und die eidgenössische Chronistik

Wer sich mit den alten Eidgenossen in einem sagenhaften Mittelalter befaßt, kommt nicht an dem Namen Aegidius Tschudi vorbei. Dieser verfaßte bekanntlich ein gewaltiges Chronicon in zwei Versionen, welche die älteste Geschichte der Eidgenossenschaft bis "1370", beziehungsweise bis "1470" schildert.

Dieses Chronikwerk ist in vierzigjähriger Arbeit unter der Leitung von Bernhard Stettler der Universität Zürich neu herausgegeben worden. - Der besagte Professor, heute emeritiert, schrieb zum Abschluß der Edition auch ein schmales Tschudi-Vademecum (Basel 2001), worin er in knapper Form über den Chronisten und sein Werk referiert.

Mit Tschudi und seinem Erforscher Bernhard Stettler habe ich mich in meinem Buch in dem Kapitel Aegidius Tschudi und die eidgenössische Chronistik auseinandergesetzt.

Ich habe dort nachgewiesen, daß man mehr Stettler als Tschudi kritisieren muß.

Tschudi ist ein Geschichtserfinder wie alle anderen Chronisten seit Beginn der erhaltenen Schriftlichkeit im frühen 18. Jahrhundert. Diese Historiographen wollten nicht wahre Geschichte schreiben, sondern eine christlich-religiöse Begründung für die damals aus dem Dunkel der Geschichte auftauchende Eidgenossenschaft darstellen.

Aegidius Tschudis Biographie ist frei erfunden; ebenso dessen Lebensdaten "1505 - 1572"). An dem gewaltigen Werk und seinen nicht minder umfangreichen Quellen muß ein ganzer Gelehrten-Kreis, eine gelehrte Schreibstube gearbeitet haben.

Tschudis Chronicon helveticum wurde 1734 - 1736 durch Johann Rudolf Iselin in Basel gedruckt. Das Werk ist ein typisches historisches Kompendium der Barockzeit. - Und das Druckdatum muss zwingend in die 1750er Jahre verschoben werden.

Dieses Datum stellt die untere Zeitschwelle für das Bekanntwerden des Chronisten dar.

Beispielsweise wurde von Ägidius Tschudi auch dessen Gallia Comata gedruckt - mit dem plausiblen Druckdatum 1758.

Das Werk über die Geschichtsschreibung der Schweiz des Autoren-Teams Richard Feller und Edgar Bonjour, das zuerst anfangs der 1960er Jahre erschien, trägt die ältere Kritik an Aegidius Tschudi zusammen. - Direkt und indirekt wird dort jener Historiograph als Meisterfälscher entlarvt, der die Urkunden und Inschriften, die er zitiert, selbst geschrieben hat.

Mit etwas Kombinationsgabe und kritischem Gespür kann man in dem Buch von Feller/Bonjour sogar die wahre Entstehungszeit des Chronicons ableiten, desgleichen ein paar Alter Egos des angeblichen "Aegidius Tschudi" - zum Beispiel Josias Simler, Bullinger oder Glareanus.

Nur weil sich bisher noch niemand mit Geschichts- und Chronologiekritik befaßt hat, ist die ganze unglaubwürdige Konstruktion der Geschichte der alten Eidgenossen und ihr umfangreichster Chronist Tschudi bisher an ihren Plätzen geblieben.

Bernhard Stettler und sein Säulenheiliger Tschudi

Mit der Neuherausgabe des Chronicons von Aegidius Tschudi wollte Bernhard Stettler eine wichtige erzählende Quelle zu den alten Eidgenossen "der Forschung zur Verfügung stellen".

Die Absicht ist edel. Aber bei dieser Jahrzehnte langen Arbeit hätte man im gleichen Zug auch die fiktive Gestalt des Chronisten und die wahren Urheber und Zeiten des Werkes erhellen können.

Davon aber ist bei der Edition nichts gemacht und nichts geahnt worden. - Wenn man Stettlers erwähntes Tschudi-Vademecum liest, so ergibt sich Folgendes:

Bernhard Stettler ignoriert einen großen Teil der vorgebrachten Kritik an Aegidius Tschudi und seinem Werk. Nach ihm habe es tatsächlich einen Mann dieses Namens gegeben, der die angegebenen Lebensdaten besitze und wahrhaftig seine Urkunden, Münzen und Inschriften auf ausgedehnten Studienreisen entdeckt und gesammelt habe.

Stettler erweist sich als historischer Nominalist: Tschudi hat es gegeben, weil er im Lexikon mit den entsprechenden Lebensdaten verzeichnet ist. Und das Chronik-Werk stammt von ihm, weil er als Autor figuriert.

Aber Aegidius Tschudi hat gefälscht und erdichtet. Das ist vielen früheren Forschern aufgefallen. - Wohl oder übel muß auch Stettler - wenngleich offenbar zähneknirschend - zugeben, daß es der große eidgenössische Historiograph mit der Wahrheit nicht so Ernst genommen hat.

Aber Bernhard Stettler geht mit seinem geliebten Schützling pfleglich um. Wenn andere sagten, Tschudi habe gefälscht und gelogen, so heißt es bei ihm in gewundener Sprache:

Bei Tschudi sind Defizite festzustellen, sowohl bei der Begründungs- als auch bei der Konsensobjektivität (Stettler: Tschudi-Vademecum, 62).

Damit will Stettler sagen, daß Tschudi "Konjekturen" in seinem Werk angebracht habe, also kombinierende Mutmaßungen. - So kann man Fälschungen und Erfindungen natürlich auch nennen.

Für Bernhard Stettler ist Aegidius Tschudi ein Säulenheiliger - unanfechtbar für Kritik, glaubwürdig noch in seinen Lügen.

Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert: Alterswerk oder veraltetes Werk?

Und jetzt hat Bernhard Stettler auch ein geschichtliches Werk über die alten Eidgenossen herausgebracht:

Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Die Suche nach dem gemeinsamen Nenner; Zürich 2004. 437 Seiten, illustriert.

Da ich ich mich mit den alten Eidgenossen in meinem Buch auseinandergesetzt habe, interessiert mich natürlich jeder Beitrag zu diesem Thema. Deshalb auch diese Rezension und Kritik.

Doch bevor ich das Buch in den Händen hielt, habe ich schon abgeschätzt, was dort drin stehen wird. - Schließlich ist mir der Autor  schon bekannt.

Ich habe mir gedacht, daß Stettler vor allem Geschichte referieren wird. - Und die neuen Akzente oder der "gemeinsame Nenner",  welchen er im Untertitel verspricht, werden wohl nicht so umwerfend ausfallen.

Der Text auf dem Rück-Cover von Stettlers Buch verspricht demgegenüber gar viel:

Die entscheidenden Veränderungen, die sich im 15. Jahrhundert in allen Bereichen abgespielt haben, sind lange übersehen worden und werden erst in der neueren Forschung gewürdigt. Gerade in der Zeit von 1400 bis 1500 wurde nämlich der Grund gelegt zu dem, was als Alte Eidgenossenschaft bis 1798 fortgelebt hat. In diesem Sinne kann man sagen, die Eidgenossenschaft sei im 15. Jahrhundert entstanden.

Stettler kann für das "14. und 15. Jahrhundert" der Eidgenossenschaft aus dem vollen schöpfen. Schließlich hat er sich bei der Neuedition von Tschudi während Jahrzehnten mit dieser Materie auseinandergesetzt.

Trotzdem frage ich mich, was denn Stettler Neues erzählen will, was nicht schon bekannt und diskutiert worden ist.

Schon zum Vornherein war für mich klar, daß dies ein Alterswerk ist, das auf einer altmodischen Geschichtsauffassung beruht. Eine Eidgenossenschaft hat es im 15. Jahrhundert natürlich nicht gegeben - in den folgenden Jahrhunderten auch nicht. - Die Geschichte wird erst im Laufe des 18. Jahrhunderts plausibel.

Damit steht schon fest, daß Stettlers Urteile über die sagenhafte Eidgenossenschaft im "Spätmittelalter" beliebig sind, weil erfundene Geschichte nicht mit den Werkzeugen des Historikers zu fassen ist.

Wo liegt der gemeinsame Nenner?

Ein Blick in Stettlers Buch bestätigt die begründeten Vorahnungen.

Das Werk bietet zuerst eine mit (angeblichen) Fakten und Daten gespickte Geschichte des "15. Jahrhunderts". Die Detailfülle ist ungleich größer als etwa der entsprechende, von Walter Schaufelberger geschriebene Abschnitt im Handbuch der Schweizer Geschichte. - Man hört die Geschichte wohl, aber sie verdient keinen Glauben.

Also erfährt man, daß sich die Stadt Bern den Besuch von König Sigismund "1414" 2000 Pfund habe kosten lassen. - Oder es wird gesagt, daß das Steueraufkommen der Stadt Zürich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert um ein Drittel abgenommen habe. - Doch in Sankt Gallen seien in der selben Zeit die Steuereinnahmen um die Hälfte gestiegen! - Wo bleibt bei solchen pseudohistorischen Behauptungen die Logik!

Weshalb eine solche Ausführlichkeit? Der Kenner der Materie wird nicht zu Stettlers Werk greifen, um sich über die Zeit zu informieren. Er möchte erfahren, weshalb der Autor das 15. Jahrhundert für die bedeutendste Zeit in der Entstehungsgeschichte der alten Eidgenossenschaft hält.

Aber die "Suche nach dem gemeinsamen Nenner", die Stettler im Untertitel ankündigt, gestaltet sich für den Leser mühsam. Man muß hin und her lesen, um die übergeordneten Aussagen herauszuklauben.

Stettler ist Berner, war aber Professor in Zürich. Und offenbar aus Dankbarkeit gegenüber seinem Brotgeber kommt letzterer Stadt eine besondere Bedeutung zu. - Zürich hat zwar den Alten Zürichkrieg verloren, aber gerade deswegen soll die Eidgenossenschaft von einem offenen Bündnisgeflecht zu einem unentrinnbaren Bündnisverbund (S. 14) geschmiedet worden sein.

Nun, das ist Interpretationssache, aber umwerfend ist die Erkenntnis auf alle Fälle nicht.

War die Eidgenossenschaft um 1400 so gefestigt wie sie um 1500 war? - Stettler selbst kann keine klare Aussagen machen. Zuerst behauptet er: Die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert war eine Zeit der Erschütterungen und der Verunsicherung (S. 49). - Mir fallen aber zu dieser angeblichen Feststellung keine erschütternden und verunsichernden Beispiele ein.

Die Eidgenossenschaft um 1500 ist herrschaftsrechtlich schwer zu definieren (S. 354). - Doch: Um 1500 waren sich die Bewohner der Eidgenossenschaft ihrer besonderen und unverwechselbaren Art voll bewußt (S. 388).

Was ist denn in diesem langen "15. Jahrhundert" alles passiert? - Sehr viel und trotzdem offenbar entsetzlich wenig.

Doch im 16. Jahrhundert hätten die Humanisten die "Helvetier" ins Spiel gebracht und diese angeblichen Ahnen den Eidgenossen nahe gebracht. - Weshalb hat während über tausend Jahren "Mittelalter" denn niemand dieses sagenhafte Volk auch nur erwähnt?

Hier beginnen die inhaltlichen und chronologischen Widersprüche, die Stettler nicht erkennt, weil er überzeugt ist, daß diese absurde Geschichtskonstruktion wahr und mit Forschung - und Rhetorik - zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen sei.

Stettler weicht in kritischen Punkten jeder klaren Aussage aus. Am deutlichsten wird dies bei der Beurteilung der Burgunderkriege: Trugen diese Kriege zur Festigung der eidgenössischen Bünde oder zu innerer Zwietracht bei? - Klar ist, daß diese Kriege in direkter Folge zu Not und Zwietracht führten.

Was soll man von diesen großtönenden Burgunderkriegen halten, wenn die Berner in diesem Konflikt keinen Fußbreit Boden gewannen und sogar die Waadt wieder herausgeben mußten?

Wo also bleibt Stettlers vollmundige "Bedeutung des 15. Jahrhunderts für die Entstehung der Eidgenossenschaft"?

  Das Fehlen jeglicher Quellenkritik

Stettler glaubt, daß die Geschichte, die er darstellt, inhaltlich und chronologisch wahr sei. Also ist es zwecklos, hier Einwände und Bemerkungen zu bringen.

Vielmehr muß man bei den Quellen ansetzen, auf welche sich Stettler stützt. - Schon bei seiner Arbeit mit Aegidius Tschudi hat der Autor bewiesen, daß er in geradezu fahrlässiger Form quellen- und überlieferungsgläubig ist.

In seinem Buch über die Eidgenossen des 15. Jahrhunderts zeigt er sich in genau gleicher Weise als gläubiger Historiker. Stettler zitiert alle Quellen, wie wenn es wahre Überlieferung wäre. Quellenkritik kommt nicht vor.

Zwar muß Stettler manchmal eine verfahrene Quellenlage eingestehen, wie hier:

Der Versuch, den Schwabenkrieg zu beschreiben, gleicht dem Gang durch einen Irrgarten (S. 321).

Das ist sehr richtig. Doch nicht nur jener Krieg, die ganze Geschichte, die Stettler beschreiben und analysieren will, ist ein Irrgarten! - Fingierte Quellen ergeben nämlich nur ein inkohärentes und widersprüchliches Bild.

Hier verhält sich Stettler wie alle anderen Historiker, die an ein historisches Mittelalter glauben: Die Geschichte ist zwar verworren. Aber weil die Geschichte wahr ist, müssen auch die Widersprüche auf höherer Ebene aufzulösen sein.

Konkret auf Stettlers Buch über die Eidgenossenschaft angewendet heißt das: Das Bild ist vertrackt und voller Fehler. Aber eben diese Sammelsurium ergibt den gemeinsamen Nenner, nämlich die Bedeutung des "15. Jahrhunderts" für die Entstehung der alten Eidgenossenschaft!

Hier wird jede einsichtige Logik verlassen.

Einzelheiten

Stettlers Quellengläubigkeit ist unbegreiflich. Er stellt nirgends auch nur die einfachsten Fragen; nirgends findet sich auch nur ein Hauch von Kritik.

Man sieht das am Besten, wenn Stettler Chronisten zitiert.

"Konrad Justinger" ist nach ihm "um 1420" geschrieben. - Hätte Stettler sich etwas ausführlicher mit dem Chronisten befasst, hätte er gemerkt, daß dieser auch die Burgunderkriege erwähnt. Justinger steht also auf der gleichen Ebene wie Tschachtlan und der Berner Diebold Schilling.

Der Chronist Fründ ist für Stettler ein Zürcher Historiograph und wird dankbar zitiert. Schließlich möchte der Autor die Bedeutung jener Stadt hervorheben.

Aber hat Stettler einmal überlegt, daß auch sein Liebling Fründ in Bern verfaßt sein muß? - Schließlich bedienen sich auch Tschachtlan und Diebold Schilling dieser Quelle. - In meinem Buch über die alten Eidgenossen habe ich gesagt, daß FRÜND wohl eine FREUND-eidgenössische historiographische Hilfeleistung Berns an Zürich darstellt.

Namen werden von Stettler nirgends hinterfragt. Es heißt, "um 1500" hätte sich die Bezeichnung SCHWEIZER für die Eidgenossen verbreitet. - Aber weder Stettler noch sonst ein Historiker haben bisher die Herkunft des Namens erklären können. - Also gibt man wie gehabt wieder, daß alte Sagen die Herkunft der Schwyzer aus Schweden erzählen.

Stettlers Buch ist mit vielen farbigen Abbildungen aus Bilderchroniken illustriert. Vor allem Tschachtlan, Gerold Edlibach und der Luzerner Diebold Schilling sind vertreten.

In seiner grandiosen Quellengläubigkeit fallen Stettler die Anachronismen in den bildlichen Darstellungen nicht auf. Hier dreht sich sein Buch zu einem Witz: Die Bilder sollen ein 15. Jahrhundert illustrieren. - Tatsächlich bebildert er ungewollt ein späteres 18. Jahrhundert.

Bernhard Stettlers Buch über die Eidgenossenschaft ist veraltet in der Konzeption und ihren Grundannahmen. - Ein solches Werk hätte man vielleicht noch in den 1950er Jahren abgenommen, aber heute nicht mehr.