Der Pergamonaltar in Berlin: eine monumentale Fälschung des Wilhelminischen Deutschlands

Die Entdeckungsgeschichte wie auch eine kritische kunstgeschichtliche Betrachtung zeigen: Sowohl der Telephos-Fries wie der Gigantenfries sind Schöpfungen aus den Jahren und Jahrzehnten nach 1871

Startseite: www.dillum.ch


Aktuelle Einfügung: Das Pergamon-Museum in Berlin ist seit September 2014 für fünf Jahre (!) - mindestens bis 2019 - geschlossen. - Angeblich stünden dringende Renovationsvorhaben an.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Museum mit dem Pergamon-Altar für lange Zeit unzugänglich bleibt.


Pergamon-Altar, Berlin: Nordrisalit mit Szenen des Gigantenkampfes

aus: Der Pergamonaltar; Mainz 2004, S. 24


Vorbemerkung

Der Artikel basiert auf den Erkenntnissen von Uwe Topper.

Der genannte Autor hat seine Einsichten zuerst unter dem folgenden Titel veröffentlicht:

Der Pergamon-Altar in Berlin. Überraschungen am Zentralheiligtum der deutschen Altertumsbegeisterung

in: Efodon-Synesis, Nr. 3, 2000, S. 5 - 10

Ausführlicher geht der erwähnte Verfasser auf die Fälschungen aus Pergamon ein in seinem Buch:

Uwe Topper: Fälschungen der Geschichte. Von Persephone bis Newtons Zeitrechnung; München 2001, S. 41 - 60

Uwe Topper hat auch zu der vorliegenden Bearbeitung Anregungen geliefert. - Dafür sei ihm herzlich gedankt.

Ebenfalls hat sich Uwe Topper in dem gleichen Museum mit der

 Fälschung der sitzende Persephone aus Tarent

beschäftigt (vgl. unten).


Die sitzende Persephone aus Tarent (Pergamon-Museum Berlin)

Dieses Bildwerk ist eine Fälschung des italienischen Bildhauers Alceo Dossena (ca. 1878 - 1937)

Vgl. Uwe Topper: Fälschungen der Geschichte, München 2001, S. 15 ff.


Das Pergamon-Museum in Berlin

Das Pergamon-Museum in Berlin, auf der Friedrichs- oder Museums-Insel gelegen, ist das bestbesuchte Museum der deutschen Hauptstadt. Besonders auch für ausländische Besucher, namentlich aus Fernost, hat diese Stätte fast den Charakter eines de rigueur-Stops. Das Pergamon-Museum gehört zu den nicht seltenen Ausstellungsgebäuden, welche eigens für ein bestimmtes Objekt oder Monument gebaut wurden.

Dieses Antiken-Museum hat eine bedeutende Sammlung griechischer und mesopotamischer Altertümer. - Doch weltberühmt ist die Stätte als Ausstellungs-Ort des Pergamon-Altars mit seinen Friesen.

In dem antiken Pergamon im westlichen Kleinasien wurden nämlich nach 1871 eine ganze Reihe von Reliefplatten gefunden, die angeblich zu einem monumentalen Altar auf dem Burgberg jener Stadt gehörten.

Man unterscheidet zwei Friese an jenem Altar: den Telephos-Fries und den Gigantenfries oder die Gigantomachie.

Hier geht es nicht darum, einen Touristenführer zu verfassen, noch ein Loblied auf ein Museum zu schreiben. Vielmehr sollen hier in übersichtlicher Form die Einwände gegen jenen antiken Fund aus Anatolien vorgebracht werden. - Die genaue Beobachtung der Friese, aber auch die Fundgeschichte der Reliefplatten zeigen nämlich:

Der Pergamon-Altar ist eine monumentale und imperiale Fälschung.

Daß ein solcher großangelegter Betrug bis vor kurzem unwidersprochen blieb, beweist die Anfälligkeit des menschlichen Geistes und Gemüts für Geschichts- und Kunstfälschungen ebenso wie die Verirrungen des staatlichen Machtstrebens.  

 Die wilhelminische Reichsgründung: Der preußische Militarismus brauchte eine kulturelle Weihe und eine antike Legitimation

In den "Einigungskriegen" von 1864, 1866 und 1870/71 wurde das neue deutsche Kaiserreich geschaffen. Dieses war eine preußische, eine imperiale und eine militaristische Schöpfung.

Die preußischen Sieger wußten dabei, daß sich ihre Legitimation vor allem von ihren Bajonetten herleitete.  Dieses Manko zu beheben, war der uneingestandene Grundsatz der neudeutschen und kaiserlichen Kulturpolitik.

Archäologie wurde zum Mittel der Machtpolitik und sollte die anderen Hauptstädte wie Petersburg, Paris und London beeindrucken.

Nicht zufällig kamen die meisten Antiken aus dem Machtbereich des osmanischen Sultans: das Ischtar-Tor ebenso wie der Pergamon-Altar.

Zuerst entstand auf der erwähnten Friedrichs-Insel das Alte Kunstmuseum. Dieser pseudoantike Tempel sollte schon von seiner Architektur eine Weihestätte für die Kunst in diesem Neudeutschen Reich darstellen.

Die angeblichen Relief-Funde aus Pergamon wurden ab 1879 zuerst in der Rotunde des Alten Museums ausgestellt. - Danach wurde das erste, das ältere Pergamon-Museum gebaut. Dieses hatte keinen langen Bestand: Nach der Einweihung 1901 wurde es schon 1909 wieder abgerissen.

Ein neues Pergamon-Museum wurde geplant und angefangen, aber wegen des Ersten Weltkrieges erst 1930 vollendet. 1941, nach dem erneuten Kriegsausbruch verschwanden die Ausstellungsstücke des Museums in einem Bunker, wo sie 1945 von den Sowjets beschlagnahmt und nach Leningrad gebracht wurden. Seit 1958 befinden sich die Friese des Pergamon-Altars wieder in Berlin.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands dauerte es nochmals über zehn Jahre, bis der Pergamon-Altar und das Museum das heutige Gesicht erhielten.

Unbedingt zu erwähnen sind bei den Friesen die wiederholten Restaurierungen. Dabei wurden jedes Mal natürlich auch eine Anzahl augenfälliger Unstimmigkeiten getilgt. - Eine vertiefte Studie sollte demzufolge auch die alten Abbildungen mit einbeziehen.

Doch auch in ihrem heutigen Aussehen bietet der Pergamon-Altars genug Anschauungsunterricht in Sachen Kunstfälschung.

Das Knie des Herakles und anderer griechischer Heroen

Für Uwe Topper ergaben sich die Zweifel an der Echtheit des Pergamon-Altars fast zufällig anläßlich eines Besuchs des Museums mit der Künstlerin Margit Jakob. Dabei suchte er ihr gegenüber zuerst noch den Verteidiger des Glaubens zu spielen und Einwände und Zweifel zu entschuldigen. - Aber die Fälschung wurde bald offenkundig.

Ausgangspunkt der Kritik war der Telephos-Fries. - Die Gigantomachie war nämlich zu dieser Zeit größtenteils in Restauration und daher nicht ausgestellt.

Den beiden Besuchern - Topper und Margit Jakob - fielen bei der genauen Betrachtung der Reliefs immer mehr unstimmige Details auf, die sich bald zu einem Gesamteindruck rundeten.

Am meisten verblüfften und verstörten die sonderbaren Körperformen vieler der dargestellten Figuren. Besonders die Bein- und Kniestellungen entlarvten die "unvergänglichen Meisterwerke hellenistischer Plastik" bald als eine wahre Abfolge von anatomischen Stümpereien.

Als erstes Beispiel wählten die beiden Beobachter den Block Nummer 51, auf welchem die Aufbahrung der Hiera dargestellt ist. Hier fällt der linke, kopflose Statist auf, der nach rechts blicken sollte: Diesem Mann fehlt das rechte Bein. Dieses ist abgefallen oder abgehauen worden. Aber dahinter sieht man das linke Spielbein, das vollkommen modelliert ist. - Wenn davor tatsächlich ein Bein gewesen wäre, so hätte man den Körperteil dahinter nicht so bearbeiten können.

Eindeutig ist dieser Relief-Block als Fragment geschaffen worden. Künstlich hergestellte Bruchstücke aber nennt man gemeinhin Fälschungen.

Der zweite, mittlere Statist weist den gleichen Fehler auf: Dessen linker Unterschenkel ist genau modelliert. Das dürfte nicht sein, da dieser ursprünglich durch den Pfosten der Bahre verdeckt war. - Auch hier also zeigt sich, daß man Fragmente herstellte.

Noch deutlicher, eher schon peinlich, wirkt die Reliefplatte Herakles finden seinen Sohn in der Wildnis (vgl. die Abbildung).

Pergamon-Altar: Telephos-Fries: Herakles findet seinen Sohn

Man beachte die anatomische Unmöglichkeit zwischen der Höhe des linken und rechten Knies!

aus: Der Pergamonaltar, Mainz 2004, S. 64


Hier steht der kopflose griechische Held, auf seine Keule gestützt. Das linke Spielbein hat Herakles um sein rechtes Standbein geworfen. Aber das Kniestück des linken Beins fehlt. Und ergänzt man dieses in Gedanken, so wird sichtbar: Das Knie des Spielbeins liegt deutlich tiefer als dasjenige des Standbeins. Also auch hier eine anatomische Unmöglichkeit.

Die Künstler des Telephos-Frieses scheinen auf Kriegsfuß mit diesem Teil der Anatomie gestanden zu haben. Denn die herabhängenden Knies der Spielbeine sind auch auf  zwei weiteren Platten zu erkennen:

Telephos und seine Gefährten (Abbildung): Hier sind gleich zwei Beispiele auf einem Relief vereinigt. Von den fünf dargestellten Figuren haben noch drei ihre Köpfe. Telephos fehlen Kopf und Beine.

Pergamon-Altar: Telephos und seine Gefährten

Anschauungsunterricht in unmöglicher künstlerischer Anatomie.

aus: Der Pergamonaltar; Mainz 2004, S. 65


Ein nach rechts gewandter Gefährte mit Helm und Lanze hat ein angesetztes rechtes Knie am Spielbein. Das Knie befindet sich auf gleicher Höhe wie das Knie des dahinter liegenden Standbeins!

Und rechts außen steht ein kopfloser Begleiter mit einer ähnlichen Beinpose wie dem oben genannten Herakles: Auch hier ist ein Bein um das andere geworfen. Und hier liegt die noch erhaltene Kniekehle des Spielbeins sogar tiefer als die Knie des Standbeins.

Auf der Relief-Platte Teuthras und Auge (Abbildung) sieht man den gleichen anatomischen Fehler:

Pergamon-Altar: Telephos-Fries: Teuthras und Auge

Die Stümperhaftigkeit des Künstlers wirkt hier schon peinlich.

aus: Der Pergamonaltar; Mainz 2004, S. 66


Teuthras rechts, mit übergroßem, aufgesetztem Kopf, ist wie die weibliche Figur ausgesprochen kurzbeinig. Und auch hier hat der Mann ein ausgeprägtes Spielbein mit einer Kniehöhe, die unmöglich tief liegt.

Litten die alten Bewohner Kleinasiens alle an Kinderlähmung? Oder wie erklärt man sich die herabhängenden Knies?

Die Beschreibungen der Friese übergehen diese überdeutlich sichtbaren anatomischen Fehler großzügig.

 Die weiteren Stümpereien an dem "antiken" Fries

Eine Unmöglichkeit läßt sofort nach weiteren bildhauerischen Fehlleistungen suchen. Man findet sie am Telephos-Fries zuhauf.

Der genannte Teuthras (Abbildung oben) hat einen aufgesetzten Kopf, dessen Proportionen viel größer ist zum übrigen Körper. - Und daß diese mythologische Figur gleich wie die Göttin Auge noch auffällig kurzbeinig ist, wurde schon gesagt.

Der Arm des stürzenden Kriegers scheint ausgekugelt zu sein. Tatsächlich ist er anatomisch völlig unmöglich.

Der Faltenwurf der Gestalten wirkt stümperhaft und mehr dekorativ, als auf genauer Beobachtung fußend.

Wenn sogar landschaftlicher und architektonischer Hintergrund wie Bäume und Säulen angedeutet werden, kommen endgültig Zweifel an der "antiken" Entstehung dieses Frieses auf.

Die Einwände gegen die antike Entstehung des Telephos-Frieses

Auf Grund der Einzelbeobachtungen hat Topper die Einwände gegen den Telephos-Fries in den folgenden Punkten zusammengefaßt:

  • Die Anatomie der Figuren ist allgemein und in Einzelheiten ausgesprochen verkorkst.

  • Die Köpfe der Figuren sind häufig falsch angesetzt.

  • Bei vielen Figuren stimmen weder die Körpergröße noch die Bruchstellen.

  • Die Art des Faltenwurfs der weiten Gewänder ist deutlich nachgeahmt und daher unrichtig.

  • Die Reliefs zeigen ein Stil-Mischmasch zwischen Mittelalter, Renaissance und Primitivismus - oft sogar bei einer einzelnen Figur.

  • Die Ansichtsweisen sind manchmal perspektivisch, manchmal aperspektivisch.

  • In den Reliefs herrscht ein Durcheinander von grafischer Darstellung und plastischer Ausformung.

An den Reliefs scheinen etwa drei Hände von unterschiedlichem Talent gewirkt zu haben. Und die Bruchstücke haben zwei verschiedene Arten von Marmor: ein gelblicher und ein grauer.

Der Telephos-Fries zeigt also durch seine stümperhafte Konzeption und Ausführung eine nachantike Entstehung. Und Bildwerke, die zum vornherein als Fragment angelegt sind, verraten eine Betrugsabsicht.

Die offizielle Kunstgeschichte verdrängt alle Zweifel an der Originalität des Frieses hinter einer wortreichen und gewundenen wissenschaftlichen Ausdrucksweise:

Im Telephosfries werden unterschiedliche Strömungen der hellenistischen Kunst sichtbar, die diese auch weiterhin bestimmen sollten, so das Streben nach Erweiterung und Vertiefung des Darstellungsraumes und die Rückwendung zu typologischen und inhaltlichen Vorbildern der klassischen griechischen Kunst in verschiedenen Brechungen.

(Der Pergamonaltar, Mainz 2004, S. 68)

Der Giganten-Fries: Besser in der Ausführung, aber mit ähnlichen Schnitzern

Topper hat sich bei seiner Kritik auf den Telephos-Fries konzentriert.

Der Gigantenfries soll ein gewaltiger Sockelfries um den Altar auf Burgberg von Pergamon gewesen sein. Die Platten wurden in der gleichen Epoche geborgen wie diejenigen des Telephos-Frieses.

Wenn die Platten mit der Geschichte des Telephos eine Fälschung sind, sollte dies auch für die Gigantomachie gelten.

Doch für diesen Fries ist der Fälschungsvorwurf schwieriger zu beweisen.

Der Gigantenkampf ist unleugbar besser gearbeitet. Er verrät sogar in etwa eine Gesamt-Konzeption. - Offenbar hatten die Initianten des Pergamon-Kunstwerkes aus den Fehlern des Telephos-Frieses gelernt und suchten sie bei der Fortsetzung zu vermeiden.

Ein paar merkwürdige Einzelheiten fallen aber auch beim Gigantenkampf auf:

Die Beinschlangen der Giganten (vgl. die Abbildung) scheinen mehr neuzeitlich als antik.

Pergamon-Altar: Gigantomachie: Gorgone die einen Meeresgott mit Beinschlange besiegt

aus: Der Pergamonaltar; Mainz 2004, S. 54


Noch mehr machen die Löwenköpfe stutzig. Diese entsprechen eher der neuzeitlichen Heraldik und Plastik.  Gegenüber den "antiken" Löwen - man denke etwa an den berühmten Löwen von Braunschweig, sind solche mähnige Löwen erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorstellbar.

Und vor allem wimmelt es in diesem Fries von Skulptur-Zitaten aus der antiken - oder neuzeitlichen? - Kunstgeschichte:

Der sterbende Krieger (Abbildung) neben dem Apollon als Bogenschützen ist ohne die Figur des sterbenden Galliers aus der Kapitolinischen Sammlung (Abbildung) nicht denkbar.

      

Oben: Sterbender Krieger aus dem Gigantenfries des Pergamon-Altars

Unten: Sterbender Gallier aus der Kapitolinischen Sammlung in Rom


Die fliehende Niobe (Abbildung) der Vatikanischen Sammlung kehrt im Gigantenkampf des Pergamon-Altar wieder, etwa in der Gorgone (oben) - aber auch der Klotho (oder Nyx) im Nordfries.

Fliehende Niobe aus der Vatikanischen Sammlung in Rom


Das sind nur zwei von vielen Anspielungen, die sich durch eine ausführliche kunstgeschichtliche Vergleichsarbeit gewinnen ließen.

Auch die offiziellen Kunsthistoriker betonen die auf Wirkung bedachte Plastizität in der Gestaltung der Körper und eine barocke Dynamik in der Wiedergabe heftig bewegter Kampfszenen (Der Pergamonaltar, Mainz 2004, S. 30).

Im Klartext heißt dies: Die Gigantomachie ist ein nachbarockes Werk. Wir nehmen das 19. Jahrhundert an.

Uwe Topper hat dem Autor seine hauptsächlichen Einwände gegen eine antike Entstehung der Gigantomachie aus Pergamon mitgeteilt:

  • Beim Fries fehlen häufig die Hintergrund-Platten. Es scheint, als habe man sich zum Vornherein auf die Herstellung von plastischen Fragmenten konzentriert.

  • Unmögliche Beinstellungen wie beim Telephos-Fries finden sich auch im Gigantenkampf.

  • Die unleugbare Dynamik des figuralen Geschehens läßt vergessen, daß auch hier die Proportionen häufig nicht stimmen.

Durch eine genauere Betrachtung ließen sich noch mehr Mängel beim Gigantenfries entdecken.

Von der Entlarvung der Fälschung zu einem neuen Geschichtsbild

In seinen Schlußfolgerungen in dem Artikel von 2000 sagt Topper über das "Zentralheiligtum der deutschen Altertumsbegeisterung" zu Recht:

Wenn man einen Beweggrund für die Fälschung sucht, der ist leicht zu finden: Ruhmsucht des Orientabenteurers Humann und gläubige Abnahme seitens der Staatslenker von Preußen, die durch fehlende koloniale Eroberungen mit Minderwertigkeitskomplexen belastet waren, verbanden sich hier in einzigartiger Symbiose.

(Uwe Topper: Fälschungen der Geschichte, München 2001, S. 60)

Treibende Personen hinter der Fälschung des Pergamon-Altars waren vor allem:

Der Eisenbahn-Ingenieur Carl Humann. Dieser untersuchte ab 1869 den Burgberg von Pergamon. Es gelang ihm, andere Altertumsforscher wie den damaligen Archäologie-Papst Ernst Curtius für Funde auf seinem Hügel zu interessieren.

Doch erst ab 1876 fanden die Kultur-Beamten Preußens für die "Funde" aus Pergamon Gehör. Zwischen 1878 und 1886 wurden die berühmten Platten geborgen. Neben Humann waren als Protagonisten Alexander Conze und Wilhelm Dörpfeld an der Bergung der Funde und dem Transport nach Berlin tätig.

Eine ausführliche Wiedergabe der Fundgeschichte der Reliefs des Pergamon-Altars offenbart viele kritische Einwände.

Beispielsweise lagen im September 1879 bereits drei Wochen nach Grabungsbeginn in Pergamon 24 Gigantenplatten und zwei Platten des Telephos-Frieses für den Abtransport bereit. - Im November des gleichen Jahres zählte Carl Humann bereits 39 Reliefplatten und 800 Bruchstücke!

Die Skulpturen- Werkstatt in Pergamon war um diese Zeit offenbar unwahrscheinlich produktiv!

Wie es möglich war, daß bisher niemand diese pseudoantiken Machwerke durchschaute, stellt den offiziellen Wissenschaftern ein schlechtes Zeugnis aus. Abenteurer, Spekulanten und ruhmsüchtige Museumsdirektoren und Politiker sind zu entschuldigen; nicht aber Archäologen und Kunsthistoriker. Doch die Wissenschaften über das "Altertum" haben sich schon längst zu einer institutionalisierten Orthodoxie  verhärtet, die gegen jede Kritik abgeschottet sind.

Die Wissenschaften fördern sogar die Fälschungen. Denn sie brauchen dringend neues, möglichst spektakuläres Material, um den Politikern und dem Publikum die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit zu beweisen.

Gleich hinter dem Pergamon-Museum liegt das Ägyptologische Museum. Dieses war sich ihren Ruf nicht zu schade, im Jahre 2002 den Fund einer eigenhändigen Unterschrift der Königin Kleopatra hinauszuposaunen. - Das Papyrus-Stück wurde im eigenen Museum gefunden, wo es angeblich schon seit hundert Jahren unbeachtet lag.

Wie lange kann eine Riege von hochbezahlten sogenannten Fachleuten noch das Publikum mit solch schwachsinnigen Erfindungen an der Nase herumführen?

Der Pergamon-Altar ist als Fälschung entlarvt. Aber es langt nicht, einzelne Stücke zu überführen. Nötig wäre ein neues Geschichtsbild: Man muß erkennen, daß die "Antike" viel näher bei der Neuzeit liegt, als die Geschichtsbücher behaupten. - Und der Ruhm der alten Zeiten wird seit Jahrhunderten gepflegt. Der Kult der Antike überträgt sich auf ihre Zeugnisse. Und da solche naturgemäß rar sind, werden sie eben nachgemacht oder gefälscht.

Pergamon = Bergamo

Bei der kunstgeschichtlichen Betrachtung des obigen Altars soll nicht der Name der "antiken" kleinasiatischen Stadt vergessen werden. Diese hieß PERGAMON.

Nun wissen alle, daß es in Norditalien auch ein BERGAMO gibt. 

Wie bei allen diesen Namens-Parallelitäten zwischen Ost und West gibt sich die Wissenschaft bedeckt. Was man nicht erklären kann, wird unterschlagen.

Zu einer bestimmten Zeit - ich schätze diese auf das zweite Drittel des 18. Jahrhunderts - erfolgte eine gewaltige Expansion des Westens in den Osten, nach Griechenland, Thrakien, Rumänien, Anatolien und die übrige Levante. Dabei nahmen diese Eroberer - die wir heute Kreuzfahrer nennen - auch ihre eben im Westen geschaffenen Ortsnamen mit.

Und die Benennung der Stätten richtete sich häufig nach geographischen Merkmalen der zu benennenden Orte.

Bergamo in der Lombardei besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen: einer città bassa, einer Niederstadt, und einer città alta, also einem Burgberg.

Das Pergamon in Mysien zeigt die gleiche Topographie.


Tag des heiligen Basilius (2. Januar) 2005/1.2009