Schloß Landshut bei Utzenstorf (Kanton Bern)

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Vergleiche auch: Burgen rund um Bern


Bemerkung zum Ortsnamen LANDSHUT

Im Artikel wird erklärt, dass sich im Grundriss der alten Burg eine Lanzenspitze findet (die Lanze, die Christus tötete).

Der Burgname hat also nichts mit "Land" zu tun.

Vielmehr ist darin LANZEN-Hut zu sehen.

HUT selbst ist ein hebräisches Wort: ha'ot = das (göttliche) Zeichen.

Andere Ortsnamen mit LANZEN in der Schweiz:

LANZEN-Häusern, LANZEN-Neunforn, LANCY


Landshut bei Utzenstorf BE

Foto: Autor, 1988


Lage

Das Schloß Utzenstorf liegt 22 Kilometer nordnordöstlich von Bern, am Nordende der Gemeinde Utzenstorf und am rechten Ufer der Emme.

Das Schloß ist von einem Wassergraben umgeben und steht inmitten eines großen Parks.

Die Liegenschaft gehört heute einer Stiftung und beherbergt ein Jagdmuseum.

Von der Burg zum Schloß

Landshut bei Utzenstorf: Rekonstruktion der anfänglichen Wasser-, Holzburg

Vom Autor bearbeitete archäologische Zeichnung nach dem Beispiel der Burg Bümpliz


Landshut ist ein interessantes Beispiel für die Entwicklung der Burgen und deren spätere baulichen Veränderungen.

Die Skizze der Baugeschichte zeigt, wie man die Anfänge der Wehrbauten nur unvollständig erfassen kann und die Entstehungszeiten verschwommen ist.

Nach der Geschichts- und Chronologiekritik können wir erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genauere Aussagen machen. Und erst zu Beginn des folgenden Jahrhunderts betritt man sicheren geschichtlichen und zeitlichen Boden.

Am Anfang von Landshut steht offenbar ein Platz mit einem kreisrunden Wassergraben. Dieser wurde durch einen Bach gespeist.

Die ursprüngliche Burg muß man sich als eine durch eine durch eine Palisade geschützten Fläche vorstellen, mit einer Holzbrücke im Osten als Zugang.

Holzbauten und vielleicht ein Holzturm standen innerhalb der Befestigung.

Man nennt die anfänglichen Burgen Holz- oder Erdburgen, weil sie ihre Wehrhaftigkeit durch Palisaden, Zäune, Wälle und Gräben erhielten.

Bei Landshut war der Graben mit Wasser gefüllt. Es war also schon am Beginn eine Wasserburg.


Grundriss der Burg Landshut bei Utzenstorf

Der Turm in der Mitte des Berings ist eine Annahme des Autors.

Plan: Autor

In den alten Burgengrundrissen sind häufig Figuren eingearbeitet.

Hier bei Landshut ist dies eine Lanzenspitze, gegen Südosten gerichtet.


Die Steinburg Landshut

Nach der „Römerzeit", zu Beginn des „Mittelalters", wurde ein bedeutender Teil der alten Erdburgen versteinert. Also baute man Ringmauern mit Türmen und Toren über die alten Plätze.

Landshut wurde zu einer Steinburg. Sie erhielt eine vieleckige Ringmauer mit einer auffälligen Spitze gegen Südosten und einem Rundturm auf der entgegengesetzten Seite gegen Nordwesten.

Ein Sod auf der Innenseite nahe der südlichen Umfassungsmauer ist nachgewiesen.

Wie schon früher wurde der Torzugang gegen Osten angelegt.

Ein isoliert stehender Turm, ein Bergfried, kann in der Mitte des Burgplatzes angenommen werden. Doch nur archäologische Untersuchungen könnten hier Gewißheit schaffen.

Landshut: Gemälde von Albrecht Kauw

Das Bild ist nach einer revidierten Chronologie auf die 1770er Jahre zu setzen.

Vergleiche auch: Albrecht Kauw, ein Berner Maler um 1770


Von der Burg zum Schloß

Die klassische „mittelalterliche" Burgenzeit dauerte nicht lange. In der Mitte des 18. Jahrhunderts machte die Erfindung des Schießpulvers, damit der Kanonen, die bisherigen Wehrbauten mit einem Schlag wertlos.

Die alten Burgen wurden aufgegeben und deren Mauern oft ganz abgetragen.

Erhalten blieben nur die Burgen, die man für die Zwecke der Herrschaft weiterhin brauchte.

Dieser Fall traf auch auf Landshut zu.

Die alte Burg wurde zu einem Landvogteischloß umgestaltet. Im südlichen Teil wurde ein Wohntrakt hineingebaut. Im Westen erhielt der Platz ein Kornhaus.

Nur ein Teil der Ringmauer mit dem Rundturm blieb erhalten.

In der spätgotischen Zeit, nach 1770, war Landshut zu einem typischen Wohnschloß geworden, das nur mit einzelnen Merkmalen an die frühere Wehrburg erinnerte.

Der Wassergraben blieb jedoch immer erhalten.

Nach dem Ende des Ancien Régime kam Landshut in Privatbesitz. Ein Park im englischen Stil umgab nun das Wohnschloß.

Die Kosten des Unterhalts eines Schlosses führten im 20. Jahrhunderts bei Landshut zum Übergang vom privaten zum öffentlichen Besitz.

Bauliche Untersuchungen haben in den letzten Jahrzehnten die Entstehungsgeschichte des Schlosses erhellt.

Die unmögliche erfundene Geschichte von Landshut

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde mit der neu aufgekommenen Schriftkultur eine umfassende Geschichtserfindung kreiert. Es wurde eine Vergangenheit konstruiert, welche unbewiesene Inhalte und vor allem absurd lange Zeiträume behauptete.

Auch Landshut bekam eine solche Märchengeschichte angedichtet.

Also sei schon "um 950 Anno Domini" ein Hof Utzenstorf erwähnt worden - vor 1080 Jahren also!

Im Jahre des Herrn "1009" sei bereits eine Grafschaft (!) Utzenstorf nachzuweisen.

"1253 AD" sei das Schloss Landshut namentlich erwähnt worden.

Und "ab 1500 AD" hätte das Schloss als Berner Landvogteisitz gedient: Bis 1798 hätte es dort 55 (!) Landvögte gegeben.

Auf einen derartigen Geschichts- und Datenschrott kann man getrost verzichten!


Landshut bei Utzenstorf BE: Ansicht des Schlosses von Südwesten

Foto: Autor, 1987


15.10.2019