Die Ruine Kramburg (Chramburg) bei Gelterfingen (Gemeinde Kirchdorf BE)

Eine gewaltige Erd- und Steinburg am Belpberg


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Vergleiche auch: Burgen rund um Bern


Plan der Kramburg bei Gelterfingen (Kirchdorf BE)

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Plan: Autor, 3.2020


Der Burghügel der Kramburg. Ansicht von Nordosten.

Foto: Autor, 19.6.2014


Die Burgruine Kramburg bei Gelterfingen (Kirchdorf) im LIDAR-Bild

Das digitale Oberflächenmodell zeigt Einzelheiten, die sonst nur eine aufwendige Planaufnahme enthüllen würde:

Die beiden nach der Bergseite, also nach NE gerichteten gewinkelten Schildwälle sind deutlich erkennbar.

Ebenfalls zeichnet sich das untere Plateau, die Zugangsrampe ab. - Man erkennt sogar, daß der ursprüngliche Weg um die SW-Ecke des Burghügels nach oben gezogen wurde.

Vor allem aber zeichnet sich die alte gemauerte Burganlage auf der Motte sehr deutlich ab: ein rechteckiger Bergfried, an den sich gegen NE ein Burghof von unregelmäßiger Form anschließt.

Die Befunde sind hier farbig nachgezeichnet.


Der Burghügel der Kramburg: Ansicht von Nordosten.

Foto: Autor, 21.5.2014


Kramburg bei Gelterfingen (Kirchdorf): Der innere Graben gegen Nordwesten

Foto: Autor, 19.6.2014


Unmögliche Beschreibungen der Kramburg in anderen Internet-Erwähnungen

Von Burgen-Beschreibungen in Büchern und im Netz ist nicht viel zu halten. Das gilt auch für die Kramburg.

In einem Wikipedia-Artikel steht zum Beispiel:

Die Kramburg befindet sich am südwestlichen Rand des Belpbergs auf einem Felssporn. Die Wälle und der Burggraben sind heute noch zu erkennen und auch einige Mauerreste sind erhalten.

Eine sehr summarische Beschreibung!

Es gibt auch abenteuerliche Charakterisierungen.

In einem anderen Artikel wird die Kramburg als "mittelalterliche Felsenburg" bezeichnet.

Wo sind denn die Felsen der Burg?

Die Autoren, die solches Zeug schreiben, sind Amateure, haben das Objekt nie besucht!

Dagegen wissen diese Schreiber erstaunliche Dinge über die sagenhafte Geschichte in fernen Zeiten:

Die Burg sei "Stammsitz der Freiherren von Kramburg" gewesen. Danach hätten die Johanniter von Münchenbuchsee die Feste erworben. Und "1528 AD" sei der Platz zu Bern gekommen und aufgelassen worden.


Lage und Beschreibung

Die Ruine Kramburg liegt am südwestlichen Abhang des Belpbergs gegen das Gürbetal hin, nordöstlich oberhalb des Weilers Gelterfingen (Gemeinde Kirchdorf).

Der Burgplatz auf rund 700 Meter Höhe ist von Natur aus gut gesichert, liegt er doch auf der linken Seite eines tief eingeschnittenen Tobels, auf einer spornartigen Erhebung oberhalb des Weilers Kramburg.

Die Anlage hat entsprechend dem Lauf des Wildbachs eine nach Nordosten gerichtete Achse.

Zentral ist bei der Kramburg eine eindrucksvolle rundlich-ovale Motte (siehe Abbildungen). Diese ist gegen Nordosten durch einen gegen NW inneren Graben von einem schmalen halbkreisförmigen Plateau abgeschnitten.

Die Höhe der Motte ab der erhaltenen Grabensohle beträgt gut sechs Meter.

Der innere Graben ist teilweise in den Felsen gehauen - sichtbar an den steilen Grabenwänden. Gegen Süden ist der Graben teilweise zugeschüttet.

An das Plateau schließt sich ein innerer halbkreisförmiger Abschnitts- oder Schildwall an. Dieser ist durch einen Zugang zweigeteilt. Ober der Wall ursprünglich zusammenhängend war, lässt sich nicht sagen.

Vor dem Abschnittswall liegt gegen die Bergseite hin ein deutlich erkennbarer, ebenfalls halbkreisförmiger äußerer Graben.

Oberhalb des äußeren Grabens liegt ein mächtiger zweiter, oberer Schildwall.

Gegen den Weiler Kramburg fällt die Motte steil ab. Die Burganlage endet dreizehn Meter unterhalb der Motte mit einer schmalen halbkreisförmigen Terrasse. Diese war durch eine gebogen verlaufende Stützmauer gesichert, von welcher noch an zwei Stellen Reste erhalten sind.

Die Stützmauer endete gegen Osten mit einem deutlichen Winkel, der noch gut erkennbar ist.

Die genaue Beobachtung der östlichen Mauerecke zeigt, daß diese ursprünglich eine Rampe darstellte.

Der ursprüngliche Zugang zur Burg war also von Osten und führte zweifellos über einen Holzsteg, der den weiten Graben querte.

Der ursprüngliche Aufgang zur Burg ist auf dem LIDAR-Bild noch erkennbar: Er führte von dem Winkel der Rampe in einem Bogen zur Nordwest-Seite der Burg. Der Eingang war zwischen Bergfried und Ringmauer zu suchen.

Auf der Motte der Erdburg wurde in "mittelalterlicher" Zeit eine Steinburg hineingebaut. Aufrechte Mauerreste sind nicht mehr erhalten.

Doch läßt sich der Grundriß - dank des LIDAR-Bilds - erahnen:

Im Südwesten stand ein rechteckiger Wehrturm mit einer Seitenlänge von etwa acht Metern.

An diesen lehnte sich gegen Nordosten ein Bering an, der ein unregelmäßiges Rechteck bildete und einen Burghof von etwa 15 Metern Durchmesser umschloß.

Der Burgenmaler Albrecht Kauw hat - nach  Meinung des Autors um oder nach 1770 - die Burgruine Kramburg abgebildet. Doch enthält das Aquarell wenig nützliche Anhaltspunkte.

Die Ruinen der Steinburg wurden wohl schon um oder kurz nach 1800 vollständig abgetragen. Spätere Abbildungen der Ruine Kramburg gibt es keine.


Kramburg bei Gelterfingen (Kirchdorf): Reste der unteren Stützmauer im Osten

Foto: Autor, 19.6.2014


Kramburg bei Gelterfingen (Kirchdorf): Reste der unteren Stützmauer im Westen

Foto: Autor, 19.6.2014


Albrecht Kauw: Kramburg, Aquarell

(Historisches Museum Bern)

Kauw gilt allgemein als genauer Beobachter. Seine Burgenansichten sind meistens sehr detailgetreu.

Bei der Kramburg jedoch hat die künstlerische Phantasie Oberhand gehabt.

Es ist dies sicher eine Ansicht von Osten. Dafür spricht der Zufahrtsweg, der Graben und der Hang des Belpbergs im Hintergrund.

Die beiden Turmruinen jedoch sind auf alle Fälle gewaltig überzeichnet: Der Bergfried wäre rechts. Der linke Turm ist nicht nachweisbar.

Um zur Kunst zurückzukehren: Man möchte meinen, als symbolisierten die beiden Türme zwei zum Gebet gegen den Himmel erhobene Hände.


2016, 2018