Illens – Illingen: eine bekannte Burgstelle über der Saane – Sarine bei Rossens (Kanton Freiburg)


Startseite: www.dillum.ch


Über weitere Burgen in FR, BE, VD & SO vgl.:

http://www.dillum.ch/html/dillum_burgen_artikel_be_so_vd_fr.htm


Ferner: Die Burgstelle Arconciel - Ergenzach


Luftaufnahme der Burgstellen von Illens (unten) und Arconciel (oben) in zwei markanten Flussschleifen der Saane (Sarine), 7 km südlich von Freiburg (Fribourg)


Aktuelle Ergänzungen (2018)

Das Manoir von Illens wird von den Archäologen neuerdings als Jagdpavillon (pavillon de chasse) bezeichnet! - Grund dafür ist eine Notiz aus der erfundenen Geschichte: Um "1455" habe ein "Guillaume de Baulmes", Kämmerer von Karl dem Kühnen, die Burg erworben und das heute noch stehende Gebäude erbaut! - Selbstverständlich ist das chronologisch und inhaltlich absurd.

Die Restaurationsarbeiten an dem Manoir sind im Sommer 2018 noch im Gang.


Illens - Illingen (Gde. Gibloux, FR): Plan

Plan: Autor, 2018

In violett ist der heutige Zugangsweg eingetragen.

Der ursprüngliche Zugang von Süden ist gestrichelt dargestellt.

Die Gebäude auf der westlichen Innenseite der Ringmauer sind in ihrer approximativen Grösse angedeutet. 

1: Äusserer Zwinger

2: Äusseres Tor

3: Innerer Zwinger

4: Torturm

5: Inneres Tor

6: Bergfried

7: Manoir (oder Jagdschloss)

NB: Die Mauer vom Torturm (4) nach SW zu den beiden Zwingermauern ist ergänzt.


Illens - Illingen bei Rossens (Gemeinde Gibloux FR): Die Kapelle der Burg stand beim heutigen Hof!

Im Juli 2013 fanden beim Hof Illens archäologische Sondierungen statt. Diese wurden gemacht, weil vor dem Hof auf der Westseite Vorbauten geplant sind. Zum Vorschein kamen ein Mauerwinkel und ein weiteres Mauerstück, ferner ein paar Gräber.

Wichtig sind hier nicht die (irrelevanten) Ausgrabungen, sondern die Mitteilung, dass die Kapelle von Illens (siehe unten im Artikel) gleich unter dem heutigen Fahrweg neben dem Hof stand und dem heiligen Nikolaus geweiht war.



Illens: Die Supraporte (Tympanon) über der Eingangstüre zum Treppenturm des Manoirs

Foto: Autor, 15.6.2018


Ein kunstgeschichtlicher Einschub

Der Tympanon (das Giebel-Relief) der Eingangspforte des Herrenhauses von Illens hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Objekt in Frankreich. - Auch die Wappen scheinen in ihren Elementen gleich zu sein:

Tympanon du Manoir de Vieux-Moulin (commune de Vielmanay, département de la Nièvre)

ex: Pierre Barbier: La France Féodale, t. 1: Châteaux-forts et églises fortifiées; Saint-Brieuc 1968, p. 375


Illens: Mauerwerk am Südfuß der Zugangsrampe

Foto: Autor, 10.7.2013

Das amorphe Aussehen der Mauer ist durch das Herausbrechen der Verblendsteine entstanden.


Illens: Der Torturm von Süden

Foto: Autor, 10.7.2013

Das heutige Aussehen des Mauerwerks ist dadurch zu erklären, dass alle äusseren Verblendblöcke weggebrochen wurden.

Man erkennt linkerhand knapp die Böschung neben dem Aufgang. Diese war wie die Aussenseite der Rampe durch Mauerwerk befestigt.

Der ursprüngliche innere Toreingang ist rechts neben dem Torturm (hier ausserhalb des Bilds) zu setzen.

Das ehemalige äussere Tor ist links, etwas ausserhalb des Bilds zu suchen.


Illens: Blick von SW auf den inneren Zwinger der Burg. Links eine Ecke des Torturms.

Foto: Autor, 14.4.2013


Illens: Blick von Süden auf den ursprünglichen Torbereich. Links der Torturm.

Foto: Autor, 14.4.2013

Man erkennt rechts Mauerwerk aus sorgfältig behauenen Tuffblöcken. Dieses bildete die Unterlage für die Torschwelle.


Illens: Blick auf die Ringmauer nördlich des Donjons

Foto: Autor, 14.4.2013

Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass der Mörtel der Erosion besser standhält als Sandstein. So erklärt sich das heutige wabenartige Aussehen des Mauerwerks.


Illens: Blick auf den Donjon von Süden

Der zugemauerte Eingang in der Mitte unten könnte ein Ausgang zu einem heute nicht mehr erhaltenen Sod davor gewesen sein.

Foto: Autor, 14.4.2013


Illens: Mit Sandsteinblöcken verblendetes Mauerwerk auf der südlichen Innenseite des Torturms.

Während aussen alle Verblendsteine weggebrochen sind (siehe oben), haben sie sich auf der Innenseite erhalten.

Foto: Autor, 14.4.2013



Illens - Illingen bei Rossens (Gemeinde Gibloux, FR): Ansicht des Donjons von Südwesten

Die beiden ebenerdigen Zugänge verraten, dass der Turm nicht als Wehrbau konzipiert wurde.

Foto: 5.2012


Illens - Illingen: Rekonstruktion des Manoirs auf Grund neuer archäologischer Sondierungen

2017

Im Eingangsbereich wurde eine Art Pergola mit einem als Halbrund geformten Abschluss festgestellt.


Illens - Illingen (Gemeinde Gibloux FR): Der Wohnturm (Donjon) von Nordosten in einer Aufnahme von 1897 (Ausschnitt)

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897

Vor dem Donjon ist deutlich die hoch aufragende Umfassungsmauer zu erkennen.

In dem oben zitierten Werk findet sich ein ausführlicher, mit Photos und Plänen versehener Artikel über Illens aus der Feder von Charles Stajessi.


Illens - Illingen (Gemeinde Gibloux FR): Ansicht der Kamine an der inneren Südwand des Donjons. Aufnahme von 1897.

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897


Illens - Illingen (Gemeinde Gibloux FR): Ansicht der Kamine an der inneren Südwand des Donjons. Aktuelle Aufnahme.

Bild: Internet

Der Vergleich der beiden Aufnahmen der Kaminwand zeigt, daß sich der Zustand der Ruine in 115 Jahren nicht wesentlich verschlechtert hat.


Illens: Der Donjon von Arconciel aus gesehen

Foto: Autor, 15.6.2012


Ansicht des Wohnturms von Illens. Aquarell von Jean de Castella (1881 - 1965), um 1935

aus: Heribert Reiners: Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, Teil I, Basel 1937

Nach dem Bild war um diese Zeit das Dach des Treppenturms noch erhalten.


Illens: Teile der nordwestlichen Umfassungsmauer der Burg, von Arconciel aus gesehen

Foto: Autor, 15.6.2012


Lage von Illens - Illingen

Das Gehöft Illens (deutsch: Illingen) zwischen Corpataux und Rossens, etwa acht Kilometer südlich von Freiburg, links der Saane (französisch Sarine) gelegen, war die kleinste Gemeinde des Kantons. - Anfangs der 1970er Jahre mußte Illens mit Rossens fusionieren. - Die Burg Illens liegt nordöstlich des Hofes.

Beschreibung der Burgstelle von Illens - Illingen

Der Burgplatz von Illens war - wie die Ruinen von Arconciel - Ergenzach rechts der Saane - von Natur aus für die Anlage einer Befestigung bestens geeignet: Der Fluß bildet dort zwei markante schmale Schlaufen und hat sich teilweise über fünfzig Meter tief in die Molasse hineingefressen.

Das eigentliche Schloßareal von Illens bildet ein ungefähres Dreieck mit einer von Norden bis Süden messenden Länge von etwa 120 Metern. - Mit einer Fläche des Plateaus von ungefähr vier Hektaren zählt der Burgplatz zu den großen befestigten Plätzen - nicht nur im Kanton Freiburg.

Das Plateau war auf drei Seiten durch feste Mauern gesichert. Im Süden teilte ein teilweise natürlicher Graben die Burg vom umgebenden Gelände.

Ein in einer Serpentine geführter Weg führte zu dem im Südwesten gelegenen Eingang. - Dabei gilt zu wissen, daß jenseits des Grabens der ursprüngliche Weg rechts vom heutigen Zugang noch erhalten ist.

Der Zugang war doppelt gesichert: Im Süden durch einen äusseren Zwinger, dann durch einen inneren Zwinger. Zu letzterem führte das äussere Tor. Nach der Biegung führte der ursprüngliche Weg weiter nach Norden zum inneren Tor, an der Ostseite neben dem Turm. und beidseitig von einem Graben umgeben.

Beide Torzugänge sind vollständig verschwunden, aber zu rekonstruieren.

Vom inneren Tor ist jedoch noch die aus Tuffblöcken gefügte Unterlage der Schwelle erhalten.

Zum inneren Tor gelangte man wegen des äusseren und inneren Grabeneinschnitts zweifellos über eine hölzerne Brücke.

Neben dem verschwundenen zweiten Eingang erhebt sich die mächtige Ruine eines rechteckigen Torturms mit einer bis zum Felsabfall im Osten fortführenden Sperrmauer.

Der Torturm hat noch hoch aufragende Mauerreste. Jedoch sind alle Verblendsteine auf den zwei erhaltenen Seiten herausgebrochen (siehe Bild). Auf der Innenseite jedoch sind die Sandstein-Blendsteine noch erhalten (siehe Bild).

Vom Torturm führte in südwestlicher Richtung eine Mauer zum äusseren Tor - und wahrscheinlich weiter hinab als Verbindung zum äusseren Zwinger.

Heute führt der Zugang westlich neben dem Torturm vorbei zum Burgplateau.

Die Ringmauer vor dem Plateau gegen Westen verlief in einem stumpfen Winkel, dann ganz im Norden neben dem Manoir in einem nach Osten führenden Winkel.

Von der Ringmauer sind im nördlichen Teil noch ansehnliche Reste erhalten.

An die Ringmauer gegen Westen lehnten sich etwa drei längliche Gebäude an, deren Mauerverlauf noch erkennbar ist. - Jedoch könnten nur Ausgrabungen die exakten Masse dieser Strukturen feststellen.

Der nördliche Teil des schmalen Plateaus wird von einem als Ruine gut erhaltenen Wohnturm von länglich-rechteckiger Form mit einem achteckigen Treppenturm eingenommen (siehe Bilder). Der in Sandstein aufgeführte dreistöckige Donjon gilt gemeinhin als Burg Illens. Die Kreuzsprossenfenster, der polygonale Treppenturm, eine große Kaminanlage an der inneren Südwand, dazu der ebenerdige Eingang zeigen aber, daß der Bau keine Wehrfunktion hatte.

Interessant ist der bereits erwähnte ebenerdige Eingang mit einer schön gestalteten nach oben zu einer Rippe geformten Supraporte. Das Wappenbild ist leider wegen der Erosion nicht mehr erkennbar (siehe Bild). - Die frappante Ähnlichkeit mit dem Tympanon des Manoir du Vieux-Moulin in Vielmanay (Nièvre) wurde oben erwähnt.

Der Donjon von Illens war ein Wohnschloß in gotischem Stil und deshalb jünger als die Wehrburg.

Illens - Illingen besteht also aus zwei Teilen: den Ruinen einer Burg und einem verlassenen Wohnschloß.

Unterhalb der Ringmauer auf der Nordwest-Seite befindet sich ein alter Steinbruch. Das Material für den Schloß-Bau wurde also - wenigstens zum Teil - von dort geholt.

Gab es einen Bergfried auf Illens?

Die Analyse der Befunde und der Pläne zeigen, daß der heutige Donjon nicht Bestandteil der ursprünglichen Burg war. Also müßte es einen Bergfried gegeben haben. Diesen kann man südlich der Ruine des Wohnturms vermuten. Dort erkennt man deutlich eine bis zwei Meter hohe Erhebung in der Mitte des Burgareals. Die Spuren deuten auf einen rechteckigen Turm von mindestens 10 bis 12 Metern Seitenlänge.

Zwischen dem ehemaligen Bergfried und dem Donjon war früher noch ein alter Sodbrunnen auszumachen.

Archäologische Sondierungen könnten diese Konstruktion ebenso verifizieren so wie die übrigen Spuren von Bauten auf der Innenseite der westlichen Ringmauer.

Eine verschwundene Kapelle und eine verschwundene Einsiedelei in Illens

Heribert Reiners erwähnt in seiner Beschreibung von Illens eine verschwundene Kapelle, gibt jedoch keinen genauen Ort an:

Außerhalb des engeren Burgbezirks ... lag die Burgkapelle, deren Fundamente ... 1915 aufgedeckt wurden. Es war ein kleiner Bau ... Da der Platz mit Gras überwucherte und Teil einer Wiese bildete, konnte das kleine Heiligtum ganz in Vergessenheit geraten, bis ein Zufall wieder zu seiner Entdeckung führte (Reiners, I, 102).

In dem Plan von Stajessi von 1897 (siehe Bild) ist auch ein Zehnt-Plan vom Ende des 18. Jahrhunderts beigefügt. Dieser verzeichnet eine Ermitage gleich neben dem Manoir.

Aber wo lag die Kapelle?

Im Juli 2013 klärte sich der Sachverhalt: Die Kapelle St. Nikolaus lag westlich neben dem Hof, unter dem heutigen Fahrweg zur Ruine. Die Reste kamen beim Neuaufbau des Hofes nach einem Brand zufällig zum Vorschein.

Illens: "am 3. Januar 1475" von den Eidgenossen zerstört - seither eine Ruine?!

Wie bei vielen Burgruinen glaubt man, die Geschichte jenes Schlosses zu kennen. Dieses stamme "aus dem 12. Jahrhundert" und sei "gegen 1470" von einem Wilhelm von Balm zu einem komfortablen Sitz ausgebaut worden. Da dieser Adelige aber in den Diensten Karls des Kühnen stand, wurde er bei den Eidgenossen verdächtig. Also zerstörten Berner und Freiburger Truppen "am 3. Januar 1475" jenes mächtige Schloß.

Glaubt jemand die Geschichte von über 500-jährigen Eidgenossen, die in ihren Stammlanden wie Barbaren wüteten?

Aber der Clou der erfundenen Geschichte kommt noch:

Gemäß Haffners Solothurner Chronik (S. 337) hätten die Berner und Freiburger bereits "1324" sowohl Arconciel wie Illens zerstört!

Langt eine Zerstörung nicht? Mußten die Eidgenossen 150 Jahre später die beiden Burgen nochmals erobern?

Gemäß der Geschichts- und Chronologiekritik ist die Gotik ein Stil, der im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts geblüht haben muß.

Und die plausible historische Überlieferung setzt erst kurz vor und während der Französischen Revolution ein.

Also haben wir keine Kunde von der Vergangenheit jener Burg. Wir wissen nicht, wer sie wann erbaut hat und wann sie verlassen wurde.

Sicher ist nur: Die Wehranlage Illens wurde bewußt aufgegeben und dem Zerfall und Abbruch überlassen.

Nach der Aufgabe der Burg Illens aber wurde das heute als Ruine erhaltene gotische Wohnschloß erbaut.

Der Donjon war vielleicht bis ins 19. Jahrhundert bewohnt.

Um 1900 soll eine Trappisten-Gemeinde den Wohnturm von Illens wieder bewohnbar gemacht haben. - Eindeutige Beweise gibt es dafür aber nicht. Vielleicht bestand nur ein Projekt.


Illens: Plan Stajessi von 1897

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897

Der alte Plan von "1735" enthält einen Hinweis auf eine verschwundene Einsiedelei am Ost-Abhang unterhalb des Donjons. - Von diesem Objekt sind heute aber alle Spuren verschwunden.

Der Plan von 1897 ist ungenau und sehr schematisch. Doch verzeichnet er ein paar interessante Einzelheiten.


Anmerkung: eine weitere Burgstelle mit Namen Illens im Kanton Freiburg

Eine Erdburg mit dem Namen Illens findet sich auch westlich des Gehöfts Les Rochettes in der Gemeinde Le Flon (Kanton Freiburg). - Jenes Objekt hat die Koordinaten 554'450/159'670. - Von der Burg, über dem Ostrand des Flon-Bachs gelegen, haben sich eine ovale Motte und Teile eines halbkreisförmigen Grabens mit Wall erhalten.

Leider liegt die Burgstelle in einem ungepflegten und arg verkrauteten Waldstück. Und der Burghügel sieht durchwühlt aus. - Es ist heute schwer, sich ein Bild jener Erdburg zu machen.

Die Burgstelle Illens bei Pont (Gemeinde Le Flon FR): Relief-Bild mit Einzeichnung der Befunde

Deutlich erkennt man einen ovalen Burghügel und einen zu beiden Seiten von Gräben eingefassten Kreisgraben auf drei Seiten. Die Ostseite liegt teilweise auf offenem Feld und ist daher verschliffen.