Die Erdburg FRUMBERG im Hünliwald bei Allmendingen (Bern)

Die Burg ist bekannt, aber der Name westwärts abgewandert.


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Über den Frumberg vgl. auch das Buch Die Ursprünge Berns (2008)

Der Frumberg zwischen Muri und Allmendingen bei Bern

Ansicht von NW

Foto: Ch. Pfister, 14.5.2006


Der Frumberg im Hünliwald von NW

Foto: Ch. Pfister, 1.11.2005


Eine namenlose Erdburg bei Bern

Mitten in dem Dreieck zwischen Gümligen, Muri und Allmendingen, an der südöstlichen Peripherie von Bern, befindet sich der ausgedehnte Hünliwald (Hüenliwald). Dieser wird durch die Trasse der Bahnlinie Bern - Thun und durch die Kantonsstrasse Bern - Thun durchtrennt und im Norden durch einen Autobahnzubringer begrenzt.

Trotzdem ist der Hünliwald ein kompaktes Waldgebiet, in welchem sich in der Mitte ein Hügel von 652 m Höhe erhebt. Gegenüber Gümligen ist jener Berg um 90 m, gegenüber Allmendingen 70 m überhöht.

Der längliche Waldberg in der Mitte des Hünliwaldes ist trotz seiner geringen Höhe von allen Seiten überaus markant. Und der Hügel hat eine besondere Bedeutung.

Auf seiner Höhe sieht man die Reste einer Erdburg.

Der Berg ist heute namenlos. Aber der ursprüngliche Name läßt sich nachweisen. Damit aber erhält der Waldberg im Hünliwald eine einzigartige symbolische Bedeutung.

Wo liegt der Frumberg?

Ich kenne die Erdburg auf der Höhe im Hünliwald seit Schülerzeiten. - Und ich las auch von einer angeblichen Burg Frumberg. Diese soll in einem isolierten Waldstück südwestlich von Muri, im Südwesten des Waldberges gelegen haben.

Schon damals ging ich der Sache nach und besichtigte das Waldstück Frumberg bei Muri. Aber dort findet sich nicht die leiseste Spur einer Wehranlage. Der Frumberg schien eine sagenhafte Burg zu sein.

Im Gefolge meiner geschichts- und chronologiekritischen Überlegungen habe ich in den letzten Jahren auch eine zusammenhängende Erklärung für alle alten Ortsnamen gefunden. Diese liegen nun in dem Buch Der Vesuv ist überall vor (auch elektronisch unter dem gleichen Titel Der Vesuv ist überall).

Dabei konnte ich nebenbei auch das Rätsel der sagenhaften Burg Frumberg lösen.

FRUM-Berg enthüllt PRIAMUS-Berg (FRUM = PRM = PRIAMUM). Jener sagenhafte König war Herrscher von Troja. Ein Priamus-Berg bedeutet das Gleiche wie Vesuv.

Jetzt begriff ich, daß die Höhe mit der Burg im Hünliwald nicht namenlos war und daß der Name Frumberg ursprünglich für die Höhe gegolten hat. - Im Laufe der Zeit ist der Ortsname hinabgewandert und hat dann jenes Waldstück westlich des Berges bei Muri benannt.

Die Erdburg Hünli hieß also Frumberg - der Hügel ist oder war nicht namenlos!

Und es läßt sich sogar beweisen, daß der Waldberg ursprünglich Frumberg geheißen hat:

Auf dem sogenannten Reinhardt-Plan von Allmendingen ist der Berg im Hünliwald sehr plastisch wiedergegeben und wie folgt beschrieben: Hier ist vor diesem das Schloß Pfraumberg gestanden (siehe die Abbildung).

Darstellung des Frumbergs auf dem sogenannten Reinhardt-Plan von Allmendingen aus dem Jahre 1729

Der Waldberg ist auf dieser Planzeichnung als deutlicher Kegel herausgearbeitet: Der Frumberg, ein Vesuv am Stadtrand von Bern!

aus: Allmendingen; Bern 1989


Der besagte Plan stellt den Hügel übrigens nicht länglich wie er ist dar, sondern als Kegel. Mein meint, die Alten hätten noch gewußt, daß der Frumberg einen symbolischen Vulkan darstellt - einen Berner Vesuv!

Die Burganlage auf dem Frumberg

Die Erdburg auf dem Waldberg im Hünliwald erstreckt sich über die ganze Länge des schmalen Höhe (vergleiche den untenstehenden Plan).

Plan der Erdburg Frumberg im Hünliwald bei Allmendingen (Bern)

Planzeichnung: ©Ch. Pfister, 11/2005


Den zentralen Teil nimmt ein Burghügel ein, der durch zwei Abschnittsgräben vom Hügel abgetrennt ist.

Das Plateau mißt 14, 5 x 29 Meter, bildet also ein Doppelquadrat - eine ungewöhnliche geometrische Anlage. Das Podium trägt auf drei Seiten Randwülste. Gegen die vierte Seite, nach Nordosten fehlen solche: Der Steilabfall in jener Richtung machte solche unnötig. - Gegenüber der natürlichen Höhe des Berges ist der rechteckige Burghügel um etwa zwei Meter überhöht.

Im Nordwesten der Burganlage fand sich nach etwa 40 Metern vielleicht ein zweiter Halsgraben, der die andere Spitze der dort sanft abfallenden Hügelkuppe abtrennte.

Die Halsgräben des Hünlibühls sind großenteils zugeschüttet, aber noch deutlich erkennbar.

Die Erdburg Frumberg nach einer älteren Planzeichnung von Bendicht Moser

Der mit Schraffuren gefertigte Plan besticht durch seine Anschaulichkeit. - Ein paar Details sind ungenau. Vor allem ist der rechteckige Burghügel zu wenig lang gezeichnet. - Auch stellt der Plan im Nordosten der Burg neben einem dritten noch einen vierten Graben dar, von welchem keine Reste erkennbar sind.


Mauerreste sind nirgends erkennbar und werden auch in früheren Angaben nicht erwähnt. Der Frumberg war also eine ursprüngliche Erdburg.

Bei der Burg auf dem Hügel im Hünliwald haben inoffizielle und offizielle Schatzgräber schon im Boden gewühlt. Aber auch die Archäologen haben nichts von Bedeutung gefunden. - Wie denn auch?

Der Frumberg im System der alten Vermessung

Wie alle alten Stellen war auch der Frumberg in das Netz der keltischen Landvermessung eingebunden. Die Bezüge sind zahlreich und noch nicht in allen Facetten erkannt.

Wesentlich scheint die nordwestliche oder südöstliche Orientierung des langen und schmalen Berges und damit des Burgplateaus zu sein. Diese folgt einer Sonnenwendachse von 305°, beziehungsweise 306° NW. Die drei nachgewiesenen Abschnittsgräben scheinen eine Orientierung von 42° NE besessen zu haben - bekanntlich eine Drittelung der oben genannten Achse.

Daneben liegt der Frumberg zum Beispiel auf einer NS-Achse, die im Norden die Talhöchi oberhalb von Bantigen schneidet und im Süden über die Hohburg am Belpberg läuft.

Sagen rund um den Frumberg

Wie bei vielen Burgstellen, so ranken sich auch um die Burg auf Frumberg im Hünliwald alte Sagen. Vor allem berichten sie von unterirdischen Gängen, welche die ehemalige Burg mit Nachbarschlössern verbinden.

Nun gehört zu jedem Tunnel ein Eingang, welcher hier nie gefunden wurde. Aber die Geschichtenerzähler wissen sich herauszureden: Die Zugänge zu diesen Höhlen würden geheimgehalten oder seien verschüttet!

Man kann zu diesen Sagen stehen, wie man will. Aber sie haben die Phantasien von unzähligen Menschen beflügelt und sogar Schriftsteller und Künstler zu Werken angeregt.

Untenstehend findet sich die Abbildung eines Höhleneingangs unterhalb des alten Frumbergs.

Die romantische Darstellung eines mächtigen Zugangs läßt vielleicht den Wunsch aufkommen, an den Hängen des Waldbergs im Hünliwald doch nach einer solchen Örtlichkeit zu suchen!

Angebliche Höhle im Hünliwald auf einem Stich aus dem frühen 19. Jahrhundert

aus: Allmendingen; Bern 1989, Seite 105


Post scriptum: Der abgebildete Stich findet sich in dem Almanach Alpenrosen für das Jahr 1815 (Bern/Leipzig). - Dort klärt sich auch der Sachverhalt:

Die Zuschreibung Höhle im Hünli beruht auf einer Verwechslung: In den Alpenrosen illustriert die Abbildung den Artikel Die Traufhöhle bei Amsoldingen (S. 291 - 295)

Gemeint ist die Höhle im Glütschbachtal bei Amsoldingen in der Nähe von Thun. Diese wird gemeinhin Rindfleischhöhle genannt, nach den eigenartigen Sinter-Formen an der Decke im Inneren des geschützten Naturdenkmals.