Wieder ein großer Wurf des russischen Chronologiekritikers!


Anatoly T. Fomenko

History: Fiction or Science?

vol. 2, Paris, etc. 2005

A. Fomenko: History: Fiction or Science, vol. 2, 2005


Vgl. auch die eigenen Gedanken zur Geschichts- und Chronologiekritik (2016:

Manifest zur Geschichtskritik - A manifesto to clarify historical criticism - Manifeste du récentisme historique

Viele Gedanken von Fomenko - oft weitergeführt - finden sich in dem Werk des Autors:

Die Matrix der alten Geschichte (2013)


Anmerkung: Gegenwärtig sind von dem obengenannten Werk zwei weitere Bände, nämlich 3 und 4 verfügbar. Band 3 behandelt den Almagest und die ägyptischen Tierkreise. Band 4 analysiert die erfundene russische Vergangenheit und widmet sich ausführlich den Parallelitäten zwischen der byzantinischen und englischen Geschichte.

Als Einwand gegen die neuen Bände ist die allzu große Ausführlichkeit zu bemerken und häufig der sehr spezielle Charakter der Themen. Auch bleiben die geschätzten Zeiträume sehr vage. Der Umfang der Bände geht häufig auf Kosten von klaren Aussagen.


Fomenkos Werke

Der große russische Chronologiekritiker A. Fomenko (*1945) braucht hier nicht besonders vorgestellt zu werden. Der Rezensent hat dessen Ideen zuerst 1999 kennengelernt. Seitdem zitiert er jenen Autor regelmäßig in seinen Publikationen.

Fomenkos zahlreiche Bücher zu mathematischen und statistischen Fragen sind alle in Russisch erschienen. Von seinen geschichts- und chronologiekritischen Büchern ist zuerst 1994 ein Werk in Englisch erschienen:

Empirico-statistical analysis of narrative material and its applications to historical dating; vol.1.2; Dordrecht 1994

Diese zwei Bände bilden noch heute die Grundlage für das Studium von Fomenko.

Auch die beiden nächsten Bücher sind ohne das erste Werk nicht zu begreifen.

A. Fomenko: History: FIction or Science? vol. 1; Paris, etc. 2003

Dieses Werk war der erste Band einer auf 7 Bände angelegten Werkausgabe.

Nun ist also ein zweiter Band erschienen, der hier nachfolgend besprochen wird.

Ein gefälliges Buch

Zu allererst fallen die Unterschiede in der Aufmachung zwischen dem Band 1 und Band 2 auf.

Band 1 von 2003 befriedigte wenig von der Ausstattung: Das Werk war auf Papier von minderer Qualität gedruckt, was die Lesbarkeit des Textes herabsetzte. Auch die zahlreichen Abbildungen und Grafiken kamen so nicht zur Geltung.

Man glaubt, daß die westlichen Herausgeber diese Mängel erkannt haben: Der zweite Band von 2005 hat den gleichen Cover und ist ebenfalls als Paperback angelegt. Doch der Textblock ist diesmal viel lesbarer, weil auf besseres Papier gedruckt. So werden auch die zahlreichen Abbildungen und die wertvollen grafischen Tabellen aussagekräftiger.

Auch der Umfang wurde in Grenzen gehalten: rund 400 Seiten beanspruchen Fomenkos Ausführungen.

Den Rest von etwa 120 Seiten bilden Annexe verschiedener Art und von anderen Autoren: Vergleiche zwischen alten Texten wie der Bibel, zwischen Herodot, Tacitus, Titus Livius und Baronius.

Interessant ist auch eine Textanalyse über ein berühmtes neueres literarisches Werk, den bekannten Roman Der stille Don. - Die Autoren weisen nach, daß der angebliche Autor Scholochow unmöglich dieses Epos geschrieben haben kann.

Schon mehr Detailkenntnis verlangt die nach Kapiteln geordnete Funktion des Umfangs (chapter volume function) von Herodot und der Bibel.

Das umfangreiche Literaturverzeichnis trennt russische und ausländische Werke.

Wichtig sind auch mehrere Vorworte:

Béla Lukacs aus Ungarn fragt auf einer Seite Are History and Astronomy incompatible?

Dann skizziert Eugen Gabowitsch aus Deutschland in Ages in Chaos unter anderem die wichtigsten frühen Geschichtskritiker wie Hardouin, Newton, Baldauf und Kammeier.

Ein Vorwort von Fomenko rundet die Einführung ab. Dieses trägt das Datum von März 2002.

Troja in der Bibel

Der Inhalt des neuen, auf Englisch erschienenen Buches von Fomenko wird schon beim Durchblättern deutlich: Er handelt zur Hauptsache von den Parallelitäten zwischen der Bibel und den übrigen Geschichten der Antike und des Mittelalters.

Und die wichtigste Sage der erfundenen alten Geschichte kennt man schon aus dem Werk von Fomenko von 1994: Hinter allen Märchen, Sagen und Legenden steht die Erzählung vom Trojanischen Krieg.

Troja oder Neapel ist ebenso eine religiöse Geschichte wie die einzelnen Bücher der Bibel und der übrigen antiken und mittelalterlichen Autoren. Also haben auch die Erzählungen des Evangeliums eine Beziehung zur Troja-Sage.

In den Vordergrund gestellt sind in dem neuen Buch von Fomenko die Analyse der Geschichten des Alten Testamentes, also besonders der Genesis, der Bücher Josua, Richter, der beiden Bücher der Könige und der beiden Bücher der Chronik.

Dabei verblüfft, wie viele Parallelitäten Fomenko aus diesen Erzählungen erkennt. Das "Alte Testament" wird durch diese Analyse verjüngt und zeitlich auf die gleiche Stufe gestellt wie die Entstehung der übrigen alten Autoren und Texte.

Und neben dem aus dem Studium von Fomenko sattsam bekannten hochmittelalterlichen Jesus in Gestalt des Mönches Hildebrand, alias Papst Gregor VII., taucht jetzt auch ein byzantinischer Heiland auf, der Andronikos Komnenos heißt. - Doch hier beginnen bereits die Einzelheiten; Fragen und Einwände tauchen auf.

Man weiß bereits aus Fomenkos früheren Werken, daß die Geschichte der Antike und des Mittelalters - sogar noch teilweise in der frühen Neuzeit - sich auf mehrere Textbücher zurückführen lassen. Dabei ist schwer zu sagen, welche Vorlage zuerst geschaffen wurde.

Sicher scheint nur, daß die Chronologie - also diejenige von Joseph Justus Scaliger - den Textbüchern übergestülpt wurde und zu zusätzlichen Absurditäten und Verwechslungen führte.

Einige Parallelitäten zwischen der Bibel und Troja

Der Rezensent weiß schon seit Jahren, daß man die Texte der Bibel, der antiken  Sagen und klassischen Autoren - aber auch der alten Chronisten - nicht genug aufmerksam lesen kann. Die Fülle von Namen, Fakten und Daten, welche man in anderen Geschichten wiedererkennt, ist erstaunlich. Die Parallelitäten in den verschiedenen Geschichtsbüchern ist es auch, welche die alte Geschichte vor 1700 als Erfindung nachweist.

Beispielsweise wird im Buch Richter (Kapitel 19 und 20) eine vollständig ausgearbeitete Variante des Trojanischen Krieges erkannt. Es ist die Auseinandersetzung der Benjaminiten mit den übrigen Stämmen Israels (siehe die untenstehende Tabelle).

Die Parallelitäten zwischen der Geschichte des Trojanischen Krieges nach Homer und dem Buch Richter (Kapitel 19 und 20) im Alten Testament

Nach: Fomenko: History: Fiction or Science, vol. 2 (2005), Paris, etc.; p. 358

Bearbeitung: Autor

Trojanischer Krieg = GTR-Krieg
Biblische Geschichte
Der gotische oder trojanische Clan in Italien oder Romea
Der Stamm der Benjaminiten mit anderen Stämmen Israels
Helena verläßt ihren Gemahl.
Die Konkubine verläßt ihren Gemahl, den Leviten.
Der Berg Vesuv
Der Berg Ephraim
Die Stadt Neapel oder Troja
Die Stadt Gibea
Gewalt gegen eine Frau (Lucretia, Amalasuntha, usw.)
Die Konkubine wird vergewaltigt.
Tod einer Frau (Lucretia, Amalasuntha, Helena, Julia Maesa, usw.).
Der Tod der Konkubine.
Die Griechen verlangen, daß man den Schuldigen (Paris) ausliefere.
Israel verlangt, daß man die Vergewaltiger ausliefere.
Troja lehnt das Ansinnen ab.
Gibea lehnt die Forderungen Israels ab.
Grund des Krieges ist die Erniedrigung einer Frau (Helena, usw.).
Grund des Krieges ist die Gewalt gegenüber einer Frau.
Es folgt die Belagerung von Troja (Neapel, usw.), mit einer Vielzahl von Schlachten vor der Stadt.
Es folgt die Belagerung von Gibea mit einer Vielzahl von Schlachten vor den Stadtmauern.
Die Einnahme der Stadt Troja (Neapel, usw.) gelingt mit einer Kriegslist.
Eine Kriegslist führt zur Einnahme von Gibea.
Die Partei der Kundschafter legt einen Hinterhalt und benutzt ein „Pferd". Die Griechen geben vor, sich von Troja zurückzuziehen.
Bei Gibea legen die Belagerer einen Hinterhalt. Die Israeliten geben vor, sich von Gibea zurückzuziehen.
Die Partei des Hinterhalts bekommt ein Signal. Die Griechen kehren unvermittelt zurück und veranstalten in Troja (Neapel, usw.) ein Blutbad.
Die Partei des Hinterhalts bekommt ein Signal. Die Israeliten kehren unvermittelt zurück und veranstalten in Gibea ein Blutbad.
Es gibt eine letzte Schlacht zwischen den Römern und den Resten der Goten.
Es folgt eine letzte Schlacht zwischen den Israeliten und den Resten der Benjaminiten.
Die Schlacht findet am Fuße des Vesuvs statt.
Die Schlacht findet am Felsen Rimmon (= Rom) statt.
Es folgt der Raub der Sabinerinnen.
Es folgt der Raub der Töchter von Silo.

Die Parallelitäten beweisen einmal mehr die zeitlich ungefähr gleichzeitige Abfassung der biblischen Schriften und der antiken Schriftsteller. - Sie zeigen auch, daß die Bibel die westeuropäische, vor allem italienische Geographie widerspiegelt.

Und in der trojanischen Geschichte im Buch Richter finden sich einige interessante Ortsnamen:

Der Vesuv heißt dort Berg oder Gebirge EPHRAIM. - Der Name EPHRAIM (PRM) spielt wahrscheinlich auf PRIAMUM, Priamus (PRM) an (Ch. Pf.).

Am Fuße des Berges Ephraim liegt die Stadt GIBEA, welche Neapel oder Troja entspricht. Der Name jedoch gibt das hebräische gibah = Hügel wieder (Ch. Pf.). - Der Name läßt sich also mit Hügelstadt übersetzen, die Stadt am Fuße des Hügels Vesuv.

Die Entscheidungsschlacht zwischen den Israeliten und Benjaminiten fand am Fuße des Felsens RIMMON statt. - Der letztere Ortsname enthüllt unschwer ROM.

In der Vulgata heißt der Schlachtort ad petram cuius vocabulum est Remmon. - Man kann daraus einen Sinn ableiten: bei der Sankt Peterskirche in Rom (Ch. Pf.).

Auf vier Seiten werden - wie schon in dem Werk von 1994 - die vier wichtigsten Parallelgeschichten des Trojanischen Krieges (Ostgotenkrieg, der Gallische Krieg von Caesar, Homers Trojanischer Krieg, der Tarquinierkrieg am Ende der römischen Königszeit) in einer Tabelle zusammengefaßt (Fomenko: History, vol 2, p. 195 - 198) .

Neu wird auch der Spartakus-Aufstand unter Pompejus dem Grossen als eine unbestimmte und fragmentarische Widerspiegelung (a vague and fragmented reflection) des Trojanischen Krieges begriffen. - Das ist richtig in dem Sinne, daß die Geschichte in Italien, hauptsächlich in Süditalien, in Kampanien und am Fuße des Vesuvs spielt.

Wie schon früher, geht Fomenko auch auf die behaupteten und pseudodatierten Himmelserscheinungen ein (Stern von Bethlehem, die Supernova des Jahres "1054". - Diese werden durch eine Tabelle und eine Grafik veranschaulicht (Fomenko: History, vol. 2, 76, 77).

Hildebrand = Andronicus = Jesus

Fomenko hat im letzten Jahrzehnt auch Istanbul besucht. Seitdem spielt auch das byzantinische Textbuch der Geschichte eine große Rolle bei seinen Vergleichen.

Zentral ist in dem vorliegenden neuen Buch die Analyse einer neu erkannten Jesus-Gestalt in Byzanz. Es ist dies der Kaiser Andronikos Komnenos (Andronicus Comnenus). - Hier geht Fomenko so weit, daß er den mittelalterlichen Jesus alias Hildebrand alias Gregor VII. als Pendant des oströmischen Heilands begreift (Fomenko: History, vol. 2, 51 ff.). Die Evangelien-Geschichte beruhe also auf Andronicus. Hildebrand sei nachher als westliches Pendant zum byzantinischen Jesus geschaffen worden. Und die Scaliger-Chronologie habe in der Folge die Geschichte Hildebrands um 1050 Jahre nach hinten in ein "1. Jahrhundert AD" verschoben.

Fomenkos Erkenntnis ist bestechend. Doch sind hier ein paar Einwände zu erheben:

Es gibt in der (fiktiven) byzantinischen Herrscherliste drei Herrscher dieses Namens: Andronikos I. Komnenos (1183 - 1185), Andronikos II. Komnenos (1263 - 1266) und Andronikos III. Komnenos (1330 - 1332).

Nach Fomenko ist der erste, also Andronicus I. Komnenus, die ursprüngliche Jesus-Gestalt. - Aber die übrigen zwei kämen sicher auch in Frage. Das ergibt sich schon aus der Herrschaftsdauer von zwei Jahren für alle drei Kaiser.

Dieser erste Komnene soll die Lebensdaten 1120 - 1185 gehabt haben. - Damit ergibt sich eine vollständige Übereinstimmung mit Hildebrand im Westen.

Doch wie schon bei Hildebrand, so hält Fomenko neuerdings zum Jahr 1052 als Datum der Geburt Hildebrands. Entsprechend ergibt sich für ihn das Jahr 1152 als Datum der Geburt von Andronicus.

Sowohl bei Hildebrand wie bei Andronicus werden also die ersten dreißig Jahre ihres Lebens abgetrennt. Damit bekommen beide Heiland-Gestalten ein Jesus-Alter von 33 Jahren.

Man sieht, daß Fomenko die Geschichten interpretiert. - Es ist gut möglich, daß die alten Schreiber die Blaupause der Jesus-Gestalten bewußt etwas verändert haben, um die Nähe zu dem Jesus der Evangelien zu verschleiern. Fomenko also betätigt sich hier als Rekonstrukteur einer ursprünglichen Matrix.

Über das Ende Hildebrands schweigen sich die Quellen bekanntlich aus. - Doch das gewaltsame Ende der kurzen Herrschaft von Jesus = Andronicus in Ostrom = Jerusalem wird anschaulich beschrieben:

Da hätte Andronicus beschlossen, die Aristokratie auszurotten. Eine Verschwörung entsteht. Der Kaiser wird gefangengenommen, mißhandelt und zuletzt an den gespreizten Füssen aufgehängt. Von dem Leiden erlöst ihn ein italienischer (sic!) Soldat, welcher Andronicus zwischen den Beinen mit einem Schwert in zwei Teile schneidet.

Die Parallelen zwischen der Leidensgeschichte von Andronicus und von Jesus von Nazareth treten überdeutlich hervor. Andronicus ist ein byzantinischer Heiland. - Sogar der italienische Schächer Longinus, welcher Jesus mit einer Stichwaffe tötet, fehlt in dieser Version nicht.

Es gilt jedoch zu wissen, daß dies nicht der einzige oströmische Heiland auf dem Kaiserthron ist. Die zwei späteren Komnenen sind bereits erwähnt worden.

Die drei Herrscher namens Andronikos Komnenos sind auf das 12., 13. und 14. Jahrhundert verteilt. - Die Konstruktion der Geschichte wird offensichtlich.

Ich selbst sehe noch andere Jesus-Gestalten in Ostrom, besonders den kurzfristigen und schwer faßbaren Herrscher Stavrakios von 811 AD.

Und es gilt zu wissen, daß die byzantinische Geschichtsfiktion eine späte Erfindung ist, Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte nach der römisch-westeuropäischen Geschichte geschrieben. Folglich müßte man eher sagen, daß die alten Historiographen den Herrscher Andronicus nach derjenigen von Hildebrand verfaßt haben.

Andronikos I. Komnenos gilt übrigens als letzter Herrscher aus dem Hause der Komnenen. - Wie erklären sich dann die weiteren Kaiser der Komnenen? - Man ersieht daraus, wie liederlich und unlogisch das Konstrukt der byzantinischen Geschichte zusammengezimmert ist.

Der Name Komnene (Komne) ist übrigens ungedeutet.

Fomenkos These über Andronicus ist im Ansatz wohl richtig, bedarf aber noch der Überarbeitung und stringenteren Erklärung.

Die Kreuzigung von Jesus auf dem Berg Beykos vor den Toren Konstantinopels

Nach den Evangelien wurde Jesus Christus bekanntlich außerhalb der Tore von Jerusalem auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt und begraben. - Das läßt die Frage offen, wo denn der Ort wirklich lag.

Fomenko nun hat dazu eine interessante osmanische Quelle gefunden:

Der türkische Historiograph Jalal Assad (19. Jahrhundert) berichtet in seinem Buch Konstantinopel von einem sehr hohen Hügel auf der asiatischen Seite des Bosporus, der Berg Beykos. Auf seiner höchsten Stelle befinde sich das Grab von Josua, Sohn des Nun, oder Jousah (Jusah) (Fomenko, History, vol. 2, 77 ff.).

Dort finden sich die Reste einer christlichen Kirche mit einer sehr großen Grabanlage. Der Platz ist noch heute ein Ziel von muslimischen Pilgern. Und es gibt auch eine Sage, welche am Fuß vom Berg Beykos die "Ermordung von König Amycus" (?) setzt.

Dieser Jusah, Sohn des Nun ist nach Fomenko identisch mit Andronicus, dem byzantinischen Jesus-Pendant.

Zumindest wird aus dieser Geschichte klar, daß auch Konstantinopel eine vollständig ausgebaute Christus-Topographie aufwies.

Doch einmal mehr muß betont werden: Rom, Ostrom und Jerusalem sind inhaltlich identische Orte, die entsprechend ausgestattet wurden.

Auch Rom hatte ein Golgatha, an der Via Appia gelegen. - Die Anhänger des Spartakus wurden dort gekreuzigt.

Weitere Parallelitäten

Die Fülle von neuen Erkenntnissen Fomenkos in dem zweiten Band seiner History läßt sich in einer Besprechung nicht wiedergeben. Ich belasse es hier mit der Aneinanderreihung von weiteren interessanten Parallelitäten und Einsichten.

Nach Fomenko ist NOAH vermutlich eine Verballhornung von NOVUS (Fomenko: History, vol. 2, 318).

Die Flut, welcher Noah in der Genesis mit seiner Arche entflieht, entspricht in Exodus die Flut, welcher Moses mit seiner Bundeslade im Roten Meer entflieht.

Den Nika-Aufstand in Ostrom, den Fomenko schon in seinem Werk von 1994 ausführlich analysiert hat, stellt nach ihm eine Kurzfassung des Gotenkriegs in Italien dar. - Darauf weist schon die Teilnahme eines gotischen Generals namens Mund hin.

EDEN sieht der Autor als identisch mit EDOM und dem Berg IDA(M). - Das Land Eden ist also das gelobte Land rund um den Vesuv, nämlich Kampanien. - Der Rezensent stimmt dieser Interpretation voll zu.

Josua, der Eroberer des heiligen Landes, wird als biblische Parallelität von Alexander dem Grossen begriffen: Beide erobern eine Menge Königreiche. - Das beweist auch der Königsname MADON (Josua, 12, 19), hinter welchem man unschwer die MAKEDONEN erkennt.

Der im Buch Richter, Kapitel 3 beschriebene Krieg mit MOAB und den MOABITERN widerspiegelt den Angriff des arabischen Flottenchefs MOAVIJA auf Konstantinopel "673 AD".

Die letztere Jahrzahl beweist beiläufig die späte Erfindung und Datierung der Geschichten. - Der Rezensent meint sogar, daß 673 für ein Ereignis um 1673 stehen könnte, vielleicht die türkische Eroberung von Konstantinopel.

Dem biblischen Propheten JONA entspricht nach Fomenko der oströmische Kirchenvater St. JOHANNES Chrysostomus.

Der Name Abraham wird von Fomenko sehr einleuchtend als "Vater von Rom" gedeutet (av = hebräisch für Vater; RAHAM = RM = ROMA).

Die sieben Patriarchen Abraham, Isaak, Esau, Jakob, Judas, Joseph und Moses setzt Fomenko in Beziehung zu den sieben Königen Roms.

Und schon in der Geschichte von Abraham findet sich der Beginn der mohammedanischen Religion: Der Patriarch hat eine Magd namens HAGAR, die ihm ein Kind gebärt. - Die Mohammedaner nannten sich zuerst nämlich Hagariten.

Abrahams Kontrahent heißt Abimelech. Dieser ist ein Söldnerführer (a warlord). Dessen Pendant in der griechisch-römischen Geschichte stellt Pyrrhus von Epirus dar.

Beeindruckend ist ferner die Gleichsetzung der Geschichte von Adam und Eva mit denen von Paris und Helena, Perseus und Andromeda, dem heiligen Georg und der Prinzessin und von Jason und Medea.

Und der Apfel der Zwietracht in der Legende von Adam und Eva steht bekanntlich auch am Anfang des Trojanischen Kriegs in der Geschichte von Paris und dem Apfel.

Die pseudogeschichtlichen Erzählungen der Bibel sind also letztlich alles mehr oder weniger ausführliche Varianten des Trojanischen Krieges.

Troja und der Vesuv ist überall.

Einzelheiten

Fomenko verdient genau gelesen zu werden. Häufig sind es auch Einzelerkenntnisse von ihm, welche neue Einsichten eröffnen.

Beispielsweise analysiert Fomenko ausführlich die Geschichte des Assyrerkönigs Tiglatpilesar, einem gewaltigen Umsiedler (monster settler).

Ahas von Juda wurde bekanntlich von König Rezin von Syrien angegriffen und erbittet Hilfe bei Tiglatpilesar. Dieser willigt ein und Syriens Hauptstadt Damaskus wird erobert (2. Könige, 16).

In DAMASKUS nun erkennt Fomenko den Ursprung des Namens MOSKAU: DAMASKUS = T/MSK = MSK = MOSKVA (Fomenko: History, vol. 2; 382).

Schon vorher habe ich in Damaskus die Stadt des Herrn erkannt: Französisch DAMAS = DOM(I)NUS = HERR.

Ebenfalls sieht Fomenko Vergleiche zwischen der Bundeslade der Israeliten und der mohammedanischen Kaaba.

In einem Kapitel werden auch der Beginn der Hegirah oder Hedschra, der Ursprung des Korans und die Baugeschichte der Kaaba besprochen (Fomenko: History, vol. 2, 402 ff.).

Der bedeutende deutsche Kaiser Otto I. der Grosse stellt bekanntlich ein mittelalterliches Pendant zum antiken Octavianus Augustus dar - beide haben die gleiche Herrschaftsdauer von 37 Jahren.

Nun aber schildert Ferdinand Gregorovius in seiner Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter die Krönung Ottos zum Kaiser "962 AD":

In Rom wurde Octavian, der Sohn des Stadtherrn Alberich II., als Papst Johannes XII. gewählt ("955"). Dieser vereinigte jetzt geistliche und weltliche Macht in der Stadt. Doch die weltliche Macht übergab er hernach an Otto alias Octavian, der durch die Kaiserkrönung den Titel Augustus bekam (Fomenko: HIstory, vol. 2; 209 ff.).

Selbst Gregorovius blieb verblüfft bei diesem durch die Parallelitäten geschuldeten Anachronismus.

Auch unterstreicht Fomenko die Bedeutung des Saint-Omer Clans in dem mittelalterlichen trojanischen Krieg in Griechenland (Fomenko: History, vol.2; 248 f.).

Jene Auseinandersetzung zwischen Katalanen und Franken, die durch die Schlacht bei Kifissos (Kephissos) in Böotien entschieden wurde, soll nämlich zuerst von einem Barden oder Troubadour aus jener Sippe besungen worden sein.

Die Saint-Omer bauten sich in Griechenland ein Schloß, das später Santameri genannt wurde und von dem noch Ruinen vorhanden sind.  - Der Ort Sandomeri liegt etwa 35 km südwestlich von Patras in der alten Landschaft Achäa.

Schon vorher habe ich Achaia, ursprünglich Agialeia gedeutet: Der Name stellt eine nur leichte Verschleierung von Galileia = Galiläa dar.

Die Saint-Omer dichteten ihre Sage also im Heiligen Land.


Allerseelen 2005 ff.