Ein rätselhafter Felspfeiler im SW von Krauchthal

Welche Figur steckt in der Felsfigur, die Fluhbabi, Zigergütsch oder Giraffe genannt wird?


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Das Fluhbabi wird auch erwähnt in dem Buch des Autors:

Die Ursprünge Berns. Eine historische Heimatkunde Berns und des Bernbiets. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen (2013)


Das Fluhbabi von Süden

Aufnahme der Familie Willi, 17-4-2008


Der rätselhafte Felspfeiler südwestlich von Krauchthal BE und nördlich der Klosteralp. Ansicht von Osten.

Aufnahme: Felix Brodmann, Burgdorf, 8.3.2008


Das Fluhbabi von Süden

Aufnahme: Autor, 8.3.2008


Die Lage

Der Felspfeiler Fluhbabi liegt auf einer bewaldeten Höhe südwestlich von Krauchthal BE. Dort bildet ein Ausläufer des Bantiger-Berges einen fingerförmigen, größtenteils bewaldeten Hügelrücken, der nach Nordosten schaut. begrenzt wird der Berg-Finger gegen Norden durch das Krauchthal mit der Strasse Bern - Burgdorf, im Westen aber durch das in nordsüdlicher Richtung verlaufende Lindental.

Der besagte Felspfeiler liegt rechterhand des Weges zwischen Krauchthal und der Klosteralp, Der Wanderweg ist heute wegen zu vieler umgestürzter Bäume an die östliche Kante des Rückens, verlegt worden. Die Felsformation ist aber leicht zu finden, wenngleich durch das viele gefallene Holz nicht eben leicht zugänglich.

Das Aussehen

Der Felspfeiler des Fluhbabi besteht zuerst aus einem gerundeten Sandstein-Felsbuckel. Dieser ist auf der E-Seite heute mit Tritten zum leichteren Besteigen versehen (siehe Abbildung oben).

Dem Buckel ist zuerst ein rundlicher, schmaler Hals aufgesetzt, der einen breiteren und vor allem in Ost-West-Richtung länglichen schaufelförmigen Aufsatz trägt.

Der eigentliche Felspfeiler ist vielleicht vier Meter hoch.

Die Deutung

Es ist sicher, daß der Felspfeiler in irgendeiner Zeit, vor mehreren hundert Jahren, künstlich behauen wurde. Das auffällige Aussehen wäre sonst nicht zu erklären.

Aber was ist dargestellt? Je nach Blickwinkel kann man verschiedene Figuren in dem Felspfeiler erkennen.

Von Westen her gesehen (vergleiche die unten stehende Abbildung) gemahnt die schlanke Felsfigur an einen Kopf mit Hals. Man möchte einen Priester, eine Priesterin oder sonst einen religiösen oder weltlichen Würdenträger darin erkennen.

Auch die Ansicht von Norden stützt in gewissem Sinne die Erklärung eines Porträt-Kopfes.


Der Felspfeiler Fluhbabi von Westen

Foto: Felix Brodmann, Burgdorf, 8.3.2008


Doch von Osten her (vergleiche die Abbildung beim Titel oben), sieht die Felsfigur sehr abstrakt aus.

Von Süden wirkt das "Gesicht" des Kopfes ausgesprochen eckig und ist vor allem sehr flach. Man denkt hier eher an eine Schaufel oder - um bei einem Menschen zu bleiben - an eine erhobene Handfläche. Der Hals würde also das Handgelenk darstellen.

Porträt oder Hand sind also die beiden Deutungs-Ansätze.

Für die Deutung ist einschränkend zu bemerken:

Wir kennen das ursprüngliche Aussehen nicht. Anders gesagt wissen wir nicht, ob die Figur im Laufe der Zeit verändert, deformiert worden ist.

Ein religiöses Monument?

Der behauene Felspfeiler ist ohne Zweifel alt. Und er hatte sicher eine besondere Bedeutung.

Ein erster Anhaltspunkt bildet die religiöse Stellung von Krauchthal in jüngerer vorgeschichtlicher Zeit. Dort erhebt sich südlich des Dorfes der Thorberg, ursprünglich ein Kloster, in bernischer Zeit ein Landvogteisitz und seit dem 19. Jahrhundert eine Strafanstalt.

Das Kloster hatte sicher verschiedene Nebenorte, wie wir sie auch von anderen religiösen Zentren kennen.

Eine davon war die Klosteralp, die noch heute den klösterlichen Namen trägt. Der Weg zu ihr vom Kloster führt an dem Felspfeiler vorbei.

Dann ist das sogenannte Fluhbabi auch in der alten Landvermessung positioniert: Der Felspfeiler liegt auf der gleichen Ost-West-Achse wie der Felsaufbruch Lindenfeld, auf der rechten Seite des Lindentals südlich von Thorberg. Diese Felsportale rund um Bern sehe ich als vorgeschichtliche Monumente an.

Aber auch das Tannstygli (Tannstigli oder Tannensteig), ein hochgelegener Sporn 600 m südlich oberhalb des Thorbergs, scheint eine Beziehung zu dem ehemaligen Kloster zu haben, vielleicht als Einsiedelei.

Endlich ist auf die gewaltige Erdburg Liebefels auf der Sodfluh bei Hub hinzuweisen. Der dortige Sodbrunnen stellt ebenfalls Rätsel. Und es gibt dort auch einen Felsaufbruch.


14.3.2008, ff. /2012/2013