Neu Bubenberg bei Schliern (Gemeinde Köniz): ein Wehrbau des frühen 18. Jahrhunderts

Interessante Beobachtungen und Vergleiche zu einer Burgruine bei Bern.

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Vergleiche auch die Erwähnung von Neu Bubenberg in dem Buch des Autors:

Die Ursprünge Berns (2020. Eine historische Heimatkunde Berns und des Bernbiets. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen und mit einem autobiographischen Anhang.


Die Burgruine (Neu) Bubenberg bei Schliern

Aquarell von Albrecht Kauw, etwa 1770er Jahre

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern


Plan der Burgstelle Neu Bubenberg bei Schliern, Gemeinde Köniz, BE

aus: Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Lieferung X a: Kanton Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau (1. Teil); Basel 1942, Seite 55

Der Plan hat einen Fehler: Die Unterteilung, deren Maueransatz auf der Innenseite der nördlichen Abschlußmauer noch kenntlich ist, wurde bei der Aufnahme vergessen.


Vergleiche auch den Artikel über die Burgstelle Alt Bubenberg bei Frauenkappelen.

Dort ist besonders der merkwürdigerweise im westlichen Abhang des zentralen Burghügels eingetiefte Sod bemerkenswert.


Die Lage der Burgstelle

Die Burgruine Neu Bubenberg liegt auf einem markanten, nach allen Seiten steil abfallenden Hügel von aussichtsreicher Lage südlich von Schliern bei Köniz auf dem Weg nach Scherliau. Ein Trockental trennt den Hügel von dem östlich davon gelegenen Ulmizberg.

Die Burgruine liegt auf dem privaten Grundstück einer 1939 gleich westlich unterhalb erbauten Villa. Der Burgplatz ist also nicht öffentlich. Er kann aber nach Absprache und Einwilligung der Grundeigentümer besichtigt werden.

Die Unterscheidung zwischen Alt- und Neu-Bubenberg ist als künstlich geschaffen anzusehen. Die Zuschreibung dieser beiden Burgplätze zu dem sagenhaften Geschlecht der Bubenberg hat keinen realen Hintergrund.

Die Anlage

Zu erkennen sind von der Burg noch auf drei Seiten die Außenmauer, die einen unregelmäßigen Grundriß hat: Die lange Nordfront mit einer Ausrichtung von etwa 60° NE hat auf beiden Seiten eine spitzwinkelige und nachher gerundet verlaufende Fortsetzung im Westen und im Osten.

Im Süden ist eine Mauer vorgelagert die klar die Zugangsrampe einfaßte. - Überhaupt ist der ursprüngliche Zugang von Westen an der gerundeten Südwest-Mauer noch gut zu erschließen. Sogar die Reste eines Tordurchgangs sind am Ende der Außenmauer im Süden vor der Rampe noch erkennbar.

Die Außenmauer hat eine unterschiedliche Dicke, die zwischen 1,5 und 2 Metern variiert. Innen und außen besteht die Mauer aus behauenen Sandsteinquadern. Die Mitte wurde mit Geschiebesteinen ausgefüllt.

Die Burg besaß mindestens eine Unterteilung. In der Mitte der inneren Mauer gegen Norden ist der Ansatz einer zum früheren Tor verlaufenden Innenmauer zu erkennen. Der ursprüngliche Turm oder Donjon ist wohl im Westteil der Anlage zu sehen.

Der eigenartige, früher wohl dreieckige Grundriß der Burg mit der geradlinigen Längsfront gegen Norden und dem gerundeten Verlauf nach Süden soll ausdrücklich hervorgehoben werden.

Die Nordostecke der Außenmauer von Neu Bubenberg

aus: Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 10, Bern 1; Kreuzlingen 1975, Seite 21


Die Nordostecke der Außenmauer von Neu Bubenberg

Aufnahme vom 29.8.2005

Auf den beiden Fotos ist die unnatürlich modern restaurierte Struktur der Außenmauer deutlich zu erkennen.


Eine Ruine des 20. Jahrhunderts

Von der Burg Neu Bubenberg sind noch ansehnliche Reste erhalten, die das ursprüngliche Aussehen des Wehrbaus erschließen lassen. Besonders die Nordostecke beeindruckt durch die beachtliche Sprunghöhe der Mauer.

Doch des Burgenforschers Freude an der Burgruine ist beeinträchtigt. Denn offensichtlich entspricht die Struktur der Außenmauer mit ihrer fantastisch guten Erhaltung und ihrer unnatürlich regelmäßigen Behauung nicht dem ursprünglichen Zustand.

Und tatsächlich: Die Ruine ist 1938 im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms für Arbeitslose restauriert worden. Dabei wurden die Blöcke der Außenmauer abgespitzt und die Fugen mit neuem Mörtel geschlossen.

Was wir heute bei Neu Bubenberg sehen, ist eine Ruine aus den späten 1930er Jahren. Nur der Grundriß und allenfalls Teile der Innenseiten sind alt.

Ursprünglich waren die Blöcke der Außenmauer nämlich bossiert. Kurz vor der Nordwestecke hat man verschämt einige Blöcke in dem ursprünglichen Zustand belassen.

Auch sind durch das Abschlagen der Bossierungen die Kropflöcher zerstört worden: Die Kropfzange ist eine typische technische Errungenschaft der Gotik und machte es möglich, Mauerwerk in effizienter und zeitsparender Weise hochzuziehen.

Neu Bubenberg war ein Wohnschloss in gotischem Stil, in das mittlere 18. Jahrhundert zu setzen.

Ein Vergleich zwischen Neu Bubenberg und der Riedburg

Trotz der störenden Restauration lassen sich beim Studium der Ruine Neu Bubenberg ein paar interessante Beobachtungen machen. Diese erlauben es, die Anlage vergleichend und zeitlich einzuordnen.

Das Mauerwerk von Neu Bubenberg, mit seinen regelmäßig behauenen Sandsteinblöcken nach innen und nach außen, den Geschiebesteinen als Füllmaterial und der Bossierung der Außenquadern, zeigt eine große Ähnlichkeit mit der Ruine Riedburg am Schwarzwasser. Letztere Burgruine habe ich als Wehrbau der Gotik angesehen und in das 18. Jahrhundert gesetzt.

Die beiden Anlagen haben wohl nur kurze Zeit bestanden und wurden nachher verlassen - oder zerstört - und somit zu Ruinen.

Bei Neu Bubenberg ist der zeitliche Rahmen noch enger: Der Burgenmaler Albrecht Kauw malte die Burg schon als Ruine - in einem ähnlichen Zustand wie heute.

Kauws Aquarelle werden in die 1670er Jahre gesetzt.

Doch Albrecht Kauw ist um 1770 einzuordnen. Vergleiche hierzu den Artikel: Albrecht Kauw, ein Berner Maler um 1770


September 2005, Oktober 2007/2010/2016/2020