Die Burgstelle Ägerten am Gurten, oberhalb von Wabern bei Bern

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Über den hier erwähnten alten Berner Maler Albrecht Kauw vergleiche auch den Web-Artikel:

Albrecht Kauw - ein Berner Maler um 1750

Die Burgruine Ägerten wird auch behandelt in dem Online-Buch

Die Ursprünge Berns. Materialien für eine Neubetrachtung. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen (2011/12)


Plan der Burg Ägerten am Gurten

Der Burgstall besteht aus einem rundlichen Burghügel, der ehemals einen rechteckigen Donjon trug. Auf drei Seiten (mit Ausnahme des Steilhangs gegen NE) ist die Motte von einem Ringwall und Ringgraben umgeben. Vor dem Südfuss des Walls liegt ein Findling. Rechts davon ist ein kleiner Hohlweg, links davon eine Grube oder ein kurzer zweiter Graben festzustellen.

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Plan: Autor, 12/2010


Die Lage der Burgstelle

Die Burgstelle Aegerten (Ägerten), altertümlich auch Egerdon genannt, liegt gut einen Kilometer im Südwesten des Ostsignals des Gurten-Bergs, oberhalb des Weilers Gurtendorf (vergleiche die Abbildung).  Die Lage auf einem markanten östlichen Vorberg des Hügelrückens ist bemerkenswert.

Die höchste Erhebung des Burghügels von Aegerten liegt auf 814 Meter über Meer. Damit ist die Wehranlage eine typische Höhenburg. - Wäre heute die Bewaldung nicht, so hätte man von dort eine prachtvolle Aussicht gegen Bern und ins Aare-Tal.

Blick auf die Burgstelle Ägerten von Westen

Man erkennt durch den Wald hindurch deutlich den Ringwall, der den steilen Burghügel umgibt.

Foto des Autors vom 28.2.2004


Ruine Ägerten (Aegerten oder Egerdon) am Gurten

Aeggerden. Der edlen frey herren von Eggerden Ir altes stamm hus. Es Verblieben alten Thurm so noch zu sehen ist.

Aquarell von Albrecht Kauw, datiert "1674". - Wohl 1750er Jahre.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern

Über den Maler Albrecht Kauw vergleiche den Web-Beitrag:

Kauw, ein Berner Maler der 1750er Jahre


Die Aquarelle des Burgenmalers Albrecht Kauw bestechen durch ihren schlichte künstlerische Gestaltungskraft und ihre erstaunliche Treue in der Wiedergabe der Topographie und der Details.

Es ist dies eine Ansicht aus Osten gegen den Turm hin. - Der Hügel, auf dem Ägerten liegt, war schon damals bewaldet: Der in der Blickrichtung abgeholzt dargestellte Ringwall scheint ein Kunstgriff des Malers zu sein. Indem er die aufrechten Bäume wegließ, ermöglichte er eine vollständige Ansicht des Wehrturms.

Der massige rechteckige Turm war nach Kauw schon damals ruinös. Im Innern wuchsen bereits Bäume.

Kauws Bilder sind zum großen Teil datiert. - Aber wir befinden uns in jener Zeit erst am Anfang der heute wie selbstverständlich gebrauchten Jahrzählung nach Christi Geburt mit vier Ziffern.

Je länger ich überlege, desto mehr scheinen mir die Bilder Kauws falschdatiert oder rückdatiert zu sein. - Aus verschiedenen Einzelheiten und Fingerzeigen ergibt sich eine Verjüngung. Kauws künstlerisches Werk ist in die 1750er Jahre anzusetzen.


Blick von der Burgruine Ägerten am Gurten auf die Stadt Bern

Stich von Gabriel Lory für den Almanach Alpenrosen für das Jahr 1814

Die Geschichte, welche durch diesen Kupferstich eingeleitet wird, hat der Autor - zusammen mit einer Novelle über die Ruine Geristein - neu herausgegeben:

Johann Rudolf Wyss der Jüngere: Der Abend zu Geristein und Der Ritter von Ägerten (2011)


Schon der Vergleich zwischen Kauw und Lory ist aufschlußreich: Das ältere Bild zeigt eine Gesamtansicht der Burg mit Turm und Wall. - Lory hingegen bietet nur mehr eine Detailaufnahme, wobei die Ruine an den linken Rand gerückt ist. Wichtiger war dem Künstler die idyllische und romantische Hirtenszene im Vordergrund und die Sicht auf die zentralen Teile der Stadt Bern im Hintergrund.

Von der Burg Ägerten standen um diese Zeit noch bedeutende Mauerreste. Man erkennt auch eine Fensteröffnung - und links vielleicht den ursprünglichen ebenerdigen Eingang auf der SE-Seite des Turms.


Der Burghügel von Ägerten am Gurten. Ansicht von Nordwesten.

Man erkennt rechts einen Teil des Ringwalls.

Man bemerke, dass auf der Burgstelle zehn (!) Jahre nach dem Sturm Lothar die umgelegten Bäume noch nicht beseitigt worden sind: Heutige Waldbesitzer pflegen ihren Besitz nicht mehr.

Foto: Autor, 12.2009


Beschreibung der Ruine Ägerten

Die Wehranlage Ägerten am Gurten (vgl. den Plan) besteht aus einem Burghügel, dem auf drei Seiten ein Ringgraben mit Ringwall vorgelagert ist.

Der imposante Ringwall auf drei Seiten mit dem Graben ist noch gut erhalten. Gegen NE ist das Terrain so abschüssig, daß sich Wall und Graben erübrigte.

Der mächtige rundliche Burghügel ist sicher künstlich überhöht und weist gegenüber der Grabensohle eine Sprunghöhe von ungefähr 10 Metern auf.

Auf der Höhe der Motte stand ehemals ein rechteckiger gemauerter Turm von ungefähr 12 x 15 Metern und einer geschätzten Mauerdicke von 3 Metern. - Die älteste Abbildung von Kauw zeigt den Turm noch in der ursprünglichen Höhe von vielleicht 12 Metern. Man darf auf dem Turm ein ursprüngliches hölzernes Obergeschoß vermuten.

Der Turm hatte eine Längsachse in nordwestlicher Richtung, die sich auf 320° NW bestimmen läßt.

Beim Burghügel, der Motte, ist anzumerken, daß dieser im Südosten ein deutliches Zwischenplateau besitzt. Dieses könnte der Zwinger oder die Zugangsrampe zum Burgturm gewesen sein.

Ebenfalls ein kleines, weniger deutliches Zwischenplateau kann man am nordwestlichen Abhang des Burghügels ausmachen.

Gegenüber der Ansicht von Kauw zeigt Lory einen mehr romantischen Anblick der Ruine. Sichtbar ist dort die Nordost-Ecke mit einem Blick auf die Stadt Bern. - Bemerkenswert auf diesem Stich ist eine Fensteröffnung - und vielleicht ein alter Torzugang - auf der Südost-Seite.

Bei Lory ist der Zerfall der Ruine Ägerten schon weit fortgeschritten. Doch sind dort immer noch stattliche aufragende Reste zu sehen.

Die Ruinen von Ägerten sind also im Laufe des 19. Jahrhunderts vollständig zerfallen und darauf zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen worden.

Heute ist nur noch ein winziger Rest der Nordost-Ecke des Turmes zu sehen (vergleiche das untenstehende Foto). - An anderen Stellen markieren noch einzelne Steine den Verlauf und die Lage des ehemaligen Rechtecks.

Im Süden ist dem Ringwall ein Findling vorgelagert, der vielleicht als Positionsstein diente. - Östlich ist ein kleiner Einschnitt zu sehen, den man als Hohlweg deuten kann. Westlich sieht man eine dem Ringwall vorgelagerte Grube, von unklarer Bedeutung. Ebenfalls ist das südliche Ende als stumpfwinklige Terrasse geformt (siehe den Plan). Die beiden Winkel stehen sicher im Zusammenhang mit der Landvermessung.

Rest der NE-Ecke des Wehrturms von Ägerten am Gurten

Foto: Autor, 2006


Ägerten scheint wie viele Burgen zwei Phasen der Entstehung zu haben.

Der älteste und ursprüngliche Teil war die Erdburg. Diese ist gut erhalten: Der Burghügel - und teilweise auch der Ringwall - sind noch in voller Höhe zu sehen.

In einer späteren "römischen" Phase wurde die Wehranlage durch Mauerwerk verstärkt und ergänzt. Bei Ägerten hat man einen Wehrturm auf den Burghügel gesetzt.

Indem der gemauerte Turm heute verschwunden ist, bietet Ägerten am Gurten wieder den Anblick eines gut erhaltenen Erdwerks aus vorgeschichtlicher Zeit.

Die Burgstelle Ägerten liegt in einem heute vernachlässigten Waldareal: Noch immer liegen dort gestürzte Bäume vom Sturm Lothar, Ende 1999 herum!

Ägerten als Markpunkt des Ankhs von Bern

Im System der keltischen Landvermessung bildete Ägerten einen wichtigen Ankerpunkt. Der alte Stadtgrundriß des vorgeschichtlichen Berns enthält die Figur eines ägyptischen Ankh-Kreuzes. Ich habe diese Zusammenhänge in meinem Artikel Das Ankh von Bern ausgeführt: Ägerten bildete einen Ankerpunkt der Querachse des Ankh-Stabes. - Der andere Markpunkt war die Burgstelle beim bernischen Rapperswil, die Eggliburg.

Die Rechnungen beweisen die geometrische Figur, welche in die Berner Landschaft gesetzt wurde:

Ort

Ort

Winkel

Meter

Leugen

Bern-Käfigturm

Ägerten am Gurten, Block im S

347.10

4165.2

1.87

Bern-Käfigturm

Ägerten am Gurten, Block im S

347,52

4209,5

1,89

Bern-Käfigturm

Burg bei Rapperswil BE

346,91

13911,3

6,25

Ägerten Gurten, Block im S

Burg bei Rapperswil BE

347,05

18120,7

8,14

Die Höhenlage des Hügels der Burg Ägerten am Gurten ist ebenfalls bemerkenswert: Die Spitze des Burghügels liegt auf 814 m über Meer.

Der Ortsname Aegerten

Ägerten ist ein Ortsname, der mehrfach vorkommt. Eine kleine Burgstelle in der Nähe der Moosegg bei Lauperswil im Emmental heißt so. Ebenfalls gibt es eine Ortschaft Ägerten an der Zihl südwestlich von Biel.

Zu Ägerten gibt es eine alte Namensvariante EGERDON.

Der Name ÄGERTEN ergibt entvokalisiert CRTM, das man zu  CR(S)TM ergänzt und offenkundig CHRISTUM, Christus ergibt. Ägerten ist also ein Christen-Ort. - Und sowohl die Steinburg und erst recht die Erdburg wurden in einer Zeit angelegt, als der heutige Name noch nicht geschaffen war. - Alle unsere Ortsnamen sind relativ jung, kaum 300 Jahre alt.

Der Ortsname Aegerten wird auch erklärt in meinem Online-Buch Die Ortsnamen der Schweiz (2011)

Das Ortsnamen-Verzeichnis selbst ist auch elektronisch abrufbar unter dem gleichen Titel Der Vesuv ist überall.


10.2010