Die Schlaufen der Aare von Bern und in der Enge stellen gewaltige Flußumleitungen aus jüngerer vorgeschichtlicher Zeit dar


Startseite: www.dillum.ch/inhalt

Das Thema wird auch in meinem Buch behandelt: Die Ursprünge Berns (2013)


Für persönliche Kontaktnahme: frunberg@gmail.com


Der Verlauf der Aare in der Region Bern

Grafik: Autor

Die beiden ursprünglichen Flussabschnitte in der Enge und in Bern sind gestrichelt dargestellt.


Vorbemerkung: Alte Flussläufe, ein heikles Thema

Ein Flusslauf ist landschaftlich gesehen rezent, also jung. Die Gewässerkarte, die Hydrologie der Vorzeit - vor mehreren Jahrhunderten und erst recht vor tausend und mehr Jahren - sah ganz anders aus.

Die Aare beispielsweise hat beim späteren Bern ursprünglich keine Biegung gegen Westen gemacht, sondern ist geradeaus via Zollikofen und Münchenbuchsee Richtung Lyss geflossen.

Die Sense machte ursprünglich auch nicht bei Thörishaus eine Biegung nach Westen, um bei Laupen in die Saane zu münden. Statt dessen floss sie geradeaus nordwärts durch das Wangental, um sich bei Bern-Sulgenbach in die Aare zu ergiessen.

Alte Flussumleitungen sind ein noch heikleres Thema: Der konventionelle Einwand lautet: Das konnten die Alten doch nicht machen! - Wirklich nicht?

Die vorliegenden Betrachtungen beweisen, dass die alte Menschheit sehr wohl solche Werke vollbrachte.


Die Aareschlaufe von Bern

Das alte, das „mittelalterliche“ Bern ist in einer Schlaufe der Aare angelegt. Schon die ersten Chronisten – für Bern ist es Justinger - sprechen vom Sack der Aare.

Und es scheint mehr als logisch, daß die Alten in dieser Flußschlaufe für die zu gründende Stadt gewählt haben: Dadurch war der Ort schon auf drei Seiten durch ein natürliches Hindernis geschützt. Man mußte also nur noch die vierte, die Seite gegen Westen durch Gräben und Mauern bewehren.

Der Aare-Übergang im Osten wurde in alten Zeiten zusätzlich durch die Burg Nydegg geschützt.

Die Aareschlaufen der Engehalbinsel und von Bremgarten (siehe obiges Bild)

Für die Engehalbinsel, eine halbe Fußstunde nördlich der Altstadt von Bern, gilt das Gleiche. Das Schlaufensystem der Aare bot einen natürlichen Schutz auf drei Seiten. Nur die vierte Seite gegen Süden mußte noch künstlich bewehrt werden.

Also versteht sich, daß die „Kelten“ die Engehalbinsel als Ort eines ausgedehnten Befestigungssystems, eines Oppidums gewählt haben.

Die Aareschlaufe von Bremgarten bei Bern

Zum Flußsystem der Enge gehört auch die bauchige Aareschlaufe von Bremgarten.

Kein Wunder, daß auch in dieser Schlaufe ein befestigter Ort angelegt wurde. Die engste Stelle der Schleife war in alten Zeiten durch eine Burg abgesperrt. Daran schlossen sich gegen Osten eine oder mehrere halbkreisförmige Gräben und Wälle an.

In dem Buch Die Ursprünge Berns habe ich mich ausführlich mit der alten Engehalbinsel befaßt. Es ergab sich, daß Bremgarten, nicht die größere Engehalbinsel auf der linken Seite der Aare, das Zentrum des Oppidum-Systems gebildet hat.

Also muß man die Enge und Bremgarten – und deren Flußschleifen – gemeinsam betrachten.

Natürliche Entstehung der Flußschleifen?

Die konventionelle Geologie beeilt sich, Flußschlaufen für natürlich zu halten. - Tatsächlich hat ein Fluß eine solche Tendenz. Gründe dafür ergeben sich in Ebenen, wo Flüsse bekanntlich mäandrieren. Die Mäander der Reuss im Freiamt und der Töss sind solche Beispiele.

Hebungen der Landschaft führen dazu, daß solche Mäander dann tiefe Einschnitte bilden. Die Schlaufen der Sitter, der Sense und des Schwarzwassers sind solche Beispiele in der Schweiz,

Aber ein Fliessgewässer bildet nur bedingt Flußschlaufen. Und es gibt solche, denen man kaum eine natürliche Entstehung zubilligen kann.

Vorgeschichtliche Flußumleitungen in Europa

Nun sind an etlichen Stellen in Europa Flußumlenkungen.

Nachgewiesen sind solche etwa in der Landschaft Argolis auf dem Peloponnes in Griechenland.

In der Umgebung des keltischen Oppidums Manching bei Ingolstadt wurden die Paar und der Igelsbach umgeleitet, damit sie als Hindernisse der Umfassungsmauer dienten.

Die Albschleife von Mühlburg in Karlsruhe in Baden stellt sicher einen künstlich angelegten Flußbogen dar.

Böhmisch Krumau südlich von Prag ist in einer bauchigen Flußschleife der Moldau angelegt. Diese ist derart auffällig, daß die künstliche Anlage kaum zu widerlegen ist.

Sicher ist die Schlaufe der Ergolz bei Augst, dem antiken Augusta Raurica künstlich angelegt.

Und durch die Anlage einer doppelten Schlaufe bildete der Rhein nördlich von Zürich eine natürliche Befestigung und formte das (keltische)  Doppel-Oppidum Altenburg-Rheinau.  

Die Aare: schon in vorgeschichtlicher Zeit ein unberechenbarer Fluß

Flüsse sind unberechenbar. Aber einige mehr als andere. In der Schweiz war die Aare offenbar schon in vorgeschichtlicher Zeit. Überschwemmungen scheinen ein dauerndes Problem gewesen zu sein.

Wir kennen die Juragewässer-Korrektionen:

Bei der ersten Korrektur im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Aare bei Aarberg umgeleitet und durch den Hagneck-Kanal in den Bielersee geleitet. Dieser dient seither als Überlaufbecken des Flusses. Auch wurden der Broye- und der Nidau-Büren-Kanal gegraben.

Die zweite Juragewässer-Korrektion in den 1950er und 1960er Jahren wurden die Arbeiten der ersten Manipulation ausgeweitet: Der Broye- und der Nidau-Büren-Kanal wurden vertieft und verbreitert.

Die Korrektur der Kander

Als historische Flußumleitung im Aare-Raum gilt die Umleitung der Kander. Dieser Bergfluß bog bei seinem Austritt aus dem Berner Oberland nördlich von Wimmis ursprünglich nach links ab und floß in dem heutigen Glütschbach-Tal am Thunersee vorbei, um unterhalb von Thun in die Aare zu münden.

Die unterschiedlichen Fliessgeschwindigkeiten der Kander und der Aare führten zu häufigen Rückstaus in der Region Thun, damit zur Korrektur des Kanderlaufs.

Angeblich in den 1710er - wohl eher um die 1750er - Jahren wurde die Kander durch die Anlage eines Stollens durch den Strättlighügel in den Thunersee geleitet.

Der Stollen brach später ein und legte die Umleitung der Kander offen.

Die Flußumleitung bei Bargen/Aarberg im Berner Seeland

Schon der Berner Vorgeschichtsforscher Otto Marti hat 1973 die Vermutung geäußert, daß die Kelten zwischen Aarberg und Bargen im Berner Seeland die Aare umgeleitet hätten. Der Fluß machte ursprünglich bei Bargen einen Biegung nach Westen und floß durch das Grosse Moos in den Neuenburgersee.

Der ursprüngliche Flußlauf der Aare im Grossen Moos ist geomorphologisch nachgewiesen. - Die Frage ist nur, wann die Aare - natürlich oder künstlich - die Richtungsänderung machte.

Wenn die Umleitung der Aare bei Bargen in vorgeschichtlicher Zeit stimmt, so hat die Juragewässer-Korrektion des 19. Jahrhunderts im Grunde den ursprünglichen Flußlauf wiederhergestellt. Nur daß die Aare sich jetzt in den Bielersee, statt wie vorher in den Neuenburgersee ergoß.

Darüber vergleiche auch den Web-Artikel: Eine alte Flussumleitung im Grossen Moos im Berner Seeland.

Der Penis von Bern

Das "mittelalterliche" Bern hat sicher einen gallorömischen Vorgänger-Ort gehabt, wie ich in meinem Artikel Das Doppelquadrat von Bern erläutere.

Die Topographie Berns ist künstlich geschaffen worden. - Auch hier fragt man sich, weshalb das bisher niemand wagte auszusprechen.

In meinem Buch Die Ursprünge Berns ist mein diesbezügliches Kapitel mit Der Phallus von Bern betitelt:

Vor zwanzig Jahren ist ein Kinderbuch erschienen mit dem Titel: "Bern sieht wie ein Walfisch aus".

Man muß offenbar ein kindliches Gemüt haben, um zentrale Fragen zur Stadtentstehung zu stellen.

Dabei haben sich auch in Bern sicher schon manche über die merkwürdige Form der Aare gewundert und Anklänge an eine Figur überlegt.

Ist auch der Aarebogen von Bern das Ergebnis einer Flußumleitung?

Die Aareschlaufe von Bern bildet einen schön geformten Sack, nach Westen geöffnet, mit einer Ost-West-Ausrichtung. Besonders auffällig ist die leichte, nach Norden offene Bogenform.

Die Geologie beeilt sich, die Aareschlinge von Bern als natürlich zu erklären. Diese sei entstanden wegen eines Felsriegels, der von der Grossen Schanze zur Nydegg hinabfällt.

Aber die schiefe Felsbarriere in Bern war eine Annahme. Bohrprofile der letzten Jahrzehnte zeigen, daß der Untergrund der Stadt aus Geschiebe und Schotter, also aus weichem Material besteht.

Wie soll man vernünftig erklären, daß die von Süden heranströmende Aare im Marzili eine abrupte Biegung nach Osten macht?

Und was sagt man zur Entstehung der Aare-Schwellen? Im Unterland ebnet ein Fluß jedes Gefälle in seinem Bett aus.

Die Aare bei Bern ist ebenso künstlich umgelenkt worden wie im Bereich der Engehalbinsel.

Allerdings ist es bei Bern wegen der dichten Bebauung schwierig, eine künstliche Umleitung der Aare nachzuweisen. - Besonders fehlen Bohrprofile an kritischen Stellen, die bis zur Höhe der Aare hinabreichen.

Die Umleitung der Aare in Bern muß man in der Nord-Südachse, zwischen Käfigturm und Zytglogge suchen. – Sinnigerweise hieß dieser Stadtteil früher die Neustadt.

Beim Zeitglocken-Turm gab es zwei alte Grabeneinschnitte. Gegen Norden gerichtet war der Schüttgraben, an der Stelle des heutigen Kornhausplatzes. Gegen Süden gab es den Münzgraben. Dieser war bis 1936 offen, bevor er für die Anlage des heutigen Bellevue-Parkings verbaut wurde.

Zwar sollen die beiden erwähnten Einschnitte ebenfalls natürlich sein. Aber wie soll man deren natürliche Entstehung erklären?

Wie bei der Engehalbinsel ist der ursprüngliche Aarelauf dort durch Eintiefungen teilweise sichtbar geblieben.

Bei der Umleitung der Aare waren im südlichen Bereich der neu geschaffenen Schlaufe besondere Verstärkungen nötig. Denn die Wucht des Flusses, der von Süden kommend zu einer brüsken Drehung nach Osten gezwungen wurde, ist gewaltig.

Das könnte möglicherweise auch die monumentale Münsterplattform erklären. Ohne dieses gewaltige Bauwerk hätte die Erosionskraft der Aare den Südabschluß der unteren Altstadt bald unterspült.

Neben der Anlage eines schlaufenförmigen Flußbettes war die wichtigste und aufwendigste Arbeit bei der Flußumlenkung von Bern die Auffüllung des ursprünglichen Aarelaufs im Gebiet zwischen Käfigturm und Zeitglocken. Man darf annehmen, daß dazu der Hügel der Grossen Schanze, der wohl weiter nach Osten reichte, teilweise abgetragen und als Füllmaterial verwendet wurde.

Was stellt die Aareschleife von Bern dar?

Dazu ist es ratsam, den Plan zu drehen, also Osten nach Norden zu stellen.

Bereits bei der Erdburg Fenis oder Hasenburg im Seeland haben wir eine ähnliche Figur kennengelernt:

Die Aareschleife von Bern mit ihrer leicht gebogenen Längsachse stellt eindeutig einen Penis dar. Niemand wagt zu behaupten, die Natur hätte eine solche figürliche Anspielung hervorgebracht.

Damit verstehen wir die hintergründige Absicht der Stadtgründer: Bern sollte ein ruhmreiches Troja, ein rechtgläubiges Neapel darstellen, stark und männlich wie ein männliches Glied.

PENIS (PN[L]S) ist bekanntlich eine anagrammatische Verschleierung für NEAPOLIS (NPLS).

Und das „mittelalterliche“ Bern wurde gebaut, als die Flußumleitung schon vollendet war.

Die Flußschleife der Aare in Bern ist historisch, nicht geographisch zu erklären. Sie stellt mit der Engehalbinsel im Norden der Stadt das eindrucksvollste Beispiel für Flußumleitungen nördlich der Alpen dar.

Und die Umleitungen der Aare in der Enge und in Bern beweisen, daß man beide Orte zusammen sehen muß.

Beiläufig ist zu erwähnen, dass auch Konstantinopel ähnlich wie Bern auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. - Haben die Gründer Berns also an das berühmte Vorbild am Bosporus gedacht?

Als letztes sei darauf hingewiesen, dass unterhalb von Bern – auf der Höhe von Zollikofen – der 47. Breitengrad verläuft. – Auch damit könnte ein Zusammenhang mit den beiden Flußumlenkungen bestehen.

Die Schwurhand der Engehalbinsel

So gut wie die Aareschlaufe von Bern, so muß auch die Engehalbinsel nördlich der Stadt künstlich geschaffen sein. - Ebenso wie bei Bern, so können keine geomorphologischen Erklärungskünste weismachen, dieser komplizierte Flußverlauf sei natürlich entstanden.

Die Argumente sind folgende:

- Die Flußschlaufen der Engehalbinsel zwingen der Aare eine rückläufige Richtung auf. Ein großer Fluß macht so etwas nicht.

- Die nördliche Schlaufe der Engehalbinsel gegen Reichenbach hin hat eine eindeutige Nord-Süd-Ausrichtung. Nach Süden trifft die Linie in der Aareschlaufe von Bern auf den Platz des Berner Münsters. - So wie die Engehalbinsel einer Nord-Süd-Achse folgt, so die Schlaufe von Bern einer Ost-West-Achse.

- Die engste Stelle, der Hals der Engehalbinsel, stellt noch heute eine Senke dar. Diese deutet den ursprünglichen Aare-Durchgang an.

- Die Flußschlaufe von Bremgarten hat eine frappante Ähnlichkeit mir derjenigen von Bremgarten im Aargau. Also liegt hier eine künstlich hergestellte Ähnlichkeit vor. - Zudem sind die beiden Orte wie Wohlen, Bern, und Muri durch identische 58°-Vermessungslinien verbunden (vgl.: Bremgarten, Muri, Wohlen).

Mutmaßungen über die Entstehungszeit

Die Kander soll um 1720 korrigiert worden sein. Diese Flußkorrektur ist aber erst um etwa 1750 anzusetzen. - Die heutige Stadt Bern ist nach Die Ursprünge Berns zu Beginn des 18. Jahrhunderts neu aufgebaut worden. Die Manipulationen des Aarelaufs in der Region Bern und im Berner Seeland sind also zeitlich vorher anzusetzen. - Aber weiter als vor dreihundertfünfzig Jahren kann ich mir das nicht vorstellen. Es muß irgendwann in der Epoche gewesen sein, die man die gallorömische oder keltische Zeit nennt.

Vielleicht sind die Flußumleitungen nur wenig mehr als drei Jahrhunderte alt.

Die Karlsruhe bei Bern

Nicht nur in Baden, sondern auch an der Aare bei Bern gibt es den Ortsnamen Karlsruhe. Die Flur liegt nördlich des Viererfelds, am linksufrigen Steilabfall der Aare. Der Ortsname ist zusammengesetzt aus KARL und hebräisch ruach = Geist.

In Die Ortsnamen der Schweiz (2016) habe ich nachgewiesen, daß die Aare ein Karls-Fluß ist: Den lateinischen Namen ARURA und noch deutlicher AROLA ist ein abgefallenes Anfangs-C voranzusetzen. Also CAROLA = CAROLUS, Karl.

Bern ehrte mit diesem Namen den römischen Kaiser Karl, gleich welche Ordnungszahl er trug.

Die Enge: ein geomorphologischer Beweis für Bern als Ursprungsort der Eidgenossenschaft

Seit langem halte ich dafür, den Ursprung der Eidgenossenschaft nicht am Vierwaldstättersee, sondern im westlichen Mittelland, also in Bern und in der Westschweiz mit Avenches (Aventicum) zu sehen.

Die Schwurhand der Enge symbolisiert die Region Bern als Ursprungs- und Hauptort der alten Eidgenossenschaft.

Die Schwyzer Eidgenossenschaft ist im Westen des Landes, im alten Waldgau entstanden. Bern und die Enge als linksufrige Orte gehörten dazu dazu.


20. April 2008, 2011, 2016